03.09.2026: Anhaltende Turbulenzen an den Anleihemärkten
Wie Anleger auf höhere Zinsen reagieren können | Mehr Schutz vor Klimafolgen: Welche Aktien davon profitieren
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Donnerstag, 03.09.2026
Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
im Urlaub bin ich mit meinem Mann und Sohn etwa 4500 Kilometer im Auto durch Europa gefahren. Wir haben viel gesehen, aber auch eine Menge Geld ausgegeben. Da wir im Elektrowagen unterwegs waren, konnten wir beim Tanken zumindest ein wenig sparen. Benzin oder Sprit hätten mehr Geld gekostet.
Dass vor allem die hohen Energiekosten unser Leben teuer machen, hat am Dienstag eine erste Schätzung des europäischen Statistikamts Eurostat verdeutlicht. Im August stieg die Inflationsrateim Euroraum um 3,3 Prozent. Fazit: Der Ölpreisschock durch den Irankrieg schlägt auf die Verbraucherpreise durch.
Wo stehen wir? Eine Entspannung ist vorerst nicht in Sicht. Im Gegenteil. Der Konflikt im Nahen Osten ist in den vergangenen Tagen wieder eskaliert und trieb die Ölpreise erneut in die Höhe. Ein Barrel (159 Liter) der Sorte Brent zur Lieferung im November kostete deutlich mehr als 90 Dollar.
Die höhere Inflationsrate bleibt vermutlich nicht ohne Folgen. An den Märkten spekulieren viele darauf, dass die Europäische Zentralbank (EZB) in der kommenden Woche den Leitzins anheben könnte.
Der Anleihemarkt hat bereits auf die Aussicht eines neuen Zinsniveaus reagiert: mit fallenden Kursen und steigenden Renditen. Die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe erreichte mit knapp 3,39 Prozent den höchsten Stand seit 15 Jahren. Diese Entwicklung setzt die Aktienmärkte unter Druck. Zum Septemberanfang rutschte der deutsche Leitindex Dax unter die Marke von 26.000 Punkten.
Was ist zu erwarten? Portfoliomanager Thomas Altmann von QC Partners erinnert daran, dass der September üblicherweise ein schwacher Börsenmonat ist: „In den letzten sechs Jahren entwickelte sich der Dax im September nur ein einziges Mal positiv.“
Auch in anderen Volkswirtschaften ziehen die Renditen an. Portfoliomanager Altmann warnt vor der steigenden Belastung für Staaten weltweit: „Wir sehen jetzt Renditen, die teilweise über denen aus der Zeit der Euro-Krise liegen. Hier steht sowohl den Staaten als auch dem Kapitalmarkt jetzt ein echter Härtetest bevor.“
Wo liegen die Risiken? In den USA sind die Renditen der Staatsanleihen teils auf die höchsten Stände seit Jahrzehnten gestiegen. Angesichts höherer Preise und des gigantischen Schuldenstands der USA wächst die Skepsis der Investoren am Anleihemarkt. Statt mit einer soliden Finanzpolitik antwortet die Regierung von Donald Trump mit immer mehr Eingriffen in die Märkte. Wie riskant das ist, erfahren Sie hier.
US-Finanzminister Scott Bessent (Foto: Samson)
Dass die Aktienmärkte sich bislang so robust zeigen, ist vor allem der gigantischen Gewinnserie der US-Konzerne, vornehmlich im KI-euphorischen Tech-Sektor, zu verdanken. Aber wird sie sich fortsetzen? Die Anlagestrategen der Schweizer Privatbank J. Safra Sarasin halten den Profit-Boom für äußerst fragil.
Dass die Skepsis zusehends wächst, zeigt sich unter anderem daran, dass Anleger in andere Bereiche ausweichen. So feierte der Bitcoin ein Comeback.
Was können Anleger tun? Obwohl der Bitcoin wieder ins Blickfeld der Anleger gerückt ist, warnen Experten wie der Top-Ökonom Robin Brooks: Der Bitcoin sei kein sicherer Hafen.
Vielleicht lohnt sich ein genauerer Blick auf Deutschland. Zwar herrschte in den vergangenen Monaten kein Mangel an schlechten Nachrichten, aber es gebe Investoren, die bullish – also optimistisch – für Deutschland seien, schreibt meine Kollegin Andrea Cünnen. Der Grund dafür: Sowohl rückwärtsgerichtete Konjunkturdaten als auch Frühindikatoren würden auf einen wirtschaftlichen Aufschwung hinweisen.
Wer sich in diesen turbulenten Zeiten für die Strategie der großen Investoren interessiert, sollte sich unsere Auswertung dazu anschauen. Zum Hintergrund: Vierteljährlich reichen Investoren wie Bill Ackman Depotberichte bei der US‑Börsenaufsicht SEC ein. Das Handelsblatt hat die Berichte der 1000 größten Depots analysiert.
Die aktuelle Analyse zeigt nicht nur, auf welche Branche die Profi-Investoren ganz besonders setzten. Sondern auch, warum SpaceX-Anleger mit Sorge auf die kommenden Monate blicken sollten.
Zum Schluss möchte ich noch auf unser Thema der Woche hinweisen. Mein Kollege Andreas Neuhaus hat Experten befragt, wie Anleger ihre Depots an das Ende der Niedrigzinswelt anpassen können.
Ich wünsche Ihnen eine ruhige Hand bei der Geldanlage.
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Steigende Schulden, höhere Zinsen? Wie Anleger reagieren können
Das Anlageuniversum hat sich mit dem Ende der Niedrigzinswelt radikal verändert. Drei Experten erklären, wie Anleger ihre Depots anpassen können und warum ein Klassiker vor dem Comeback steht.
Anlagestrategie als Balanceakt (Foto: Getty Images / brckmnn [M])
Die Zeit der Niedrigzinsen ist vorbei. Nachdem die Kapitalmarktzinsen über ein Jahrzehnt lang teilweise sogar im negativen Bereich notiert haben, liegen die Anleiherenditen in der Eurozone wieder oberhalb von drei Prozent, in den USA zum Teil bereits bei über fünf Prozent.
Mit einer Umkehr dieser Entwicklung ist vorerst nicht zu rechnen. Eher könnten die Zinsen noch weiter anziehen, sagen Experten, weil die Staatsschulden deutlich gestiegen sind. Das verändert auch die Welt für Anlegerinnen und Anleger radikal.
So werden zinstragende Anlageklassen zu einer echten Alternative zu Aktien, erklärt Marcel Reyers. Der Finanzplaner und Vorstand der Vereinigung Financial Planning Standards Board Deutschland (FPSB) sagt: „Bei US-Aktien liegen die langfristigen Renditeschätzungen der großen Fondshäuser zwischen sechs und neun Prozent pro Jahr. Da sind wir mit Anleihen gar nicht mehr so weit weg.“
Für langfristige Anleger werde das klassische 60/40-Portfolio wieder zur Lösung für die Altersvorsorge, sagt Reyers daher. Also 60 Prozent Aktien und 40 Prozent Anleihen.
Auch das Bankhaus Metzler setzt auf Anleihen, berichtet dessen Chefvolkswirt Edgar Walk, der eng mit dem Portfoliomanagement zusammenarbeitet: „Wir hatten schon immer eine relativ hohe Staatsanleihenquote, weil wir sie für einen guten Diversifikator halten. Aber wir haben drei Anpassungen vorgenommen.“
Handelsblatt Invest ist derPodcast für professionelle Investoren und ambitionierte Privatanleger. Astrid Dörner, Handelsblatt-Chefreporterin für Geldanlage und Märkte, spricht jede Woche mit internationalen Experten über die wichtigsten Trends an den Kapitalmärkten.
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Diese Aktien profitieren vom Schutz vor Klimafolgen
Weltweit steigen die Investitionen in den Schutz vor Hitze, Dürren und Überschwemmungen. Für Unternehmen entstehen neue Geschäftschancen – und für Anleger Investmentmöglichkeiten.
von Dirk Wohleb
Die wirtschaftlichen Schäden der Hitzewelle in diesem Sommer sind immens. Das Forschungs- und Beratungsunternehmen Prognos beziffert die Kosten eines Tages mit Temperaturen von mindestens 30 Grad auf durchschnittlich 431 Millionen Euro in Deutschland.
Damit rücken die Folgen des Klimawandels stärker in den Fokus – und der Druck steigt für die Wirtschaft und Politik, mehr Geld für den Schutz auszugeben. Die Unternehmensberatung Boston Consulting Group beziffert den globalen Investitionsbedarf für Anpassung und Resilienz auf 0,5 bis 1,3 Billionen US-Dollar jährlich bis 2030.
Michael Molter, Portfoliomanager des Aktienfonds Ökoworld Klima, sagt: „Für uns übersetzt sich das sehr konkret in Investmentthemen: Wasser- und Abwassermanagement, angepasste Infrastruktur, Gebäude, Klima- und Risikodaten – und auch Gesundheit.“
Für Anleger ist vor allem die langfristige Perspektive interessant. Mehrere Branchen rücken in den Fokus.
Niedrigwasser im Duisburger Rheinhafen (Foto: Federico Gambarini / dpa)
Katie Self, Investmentmanagerin beim Genfer Investmenthaus Pictet Asset Management, sagt: „Wir sehen Klimaanpassung nicht als kurzfristigen Trend, sondern als dauerhaftes Investmentthema.“ Steigende Infrastrukturinvestitionen und ein wachsendes Bewusstsein für physische Klimarisiken seien Treiber der Entwicklung.
Henning Padberg, Manager des Aktienfonds Nordea Climate and Environment Fund, unterscheidet drei Gruppen von Profiteuren:
– Unternehmen, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, mit denen sich die physischen Folgen des Klimawandels bewältigen lassen.
– Firmen aus klimasensiblen Branchen, die sich besser als ihre Wettbewerber auf Klimagefahren einstellen.
– Versicherer und Rückversicherer, die diese Risiken bewerten und absichern.
Die Unternehmen Xylem, Saint-Gobain und Munich Re sind Beispiele von Unternehmen, wie Anleger unterschiedlich auf Investitionen in Klimaschutz und Resilienz setzen können.
Das US-Unternehmen Xylem liefert Pumpen, Anlagen zur Wasser- und Abwasserbehandlung sowie Mess- und Analysesysteme. Seine Technologien helfen, Lecks aufzuspüren, Wasser wiederzuverwenden und Hochwasserrisiken zu begrenzen.
Das ist ein robustes Geschäft, sagt Portfoliomanager Molter: „Wasser ist ein Dauerläufer, weil dort praktisch alle Anpassungsfragen zusammenlaufen: Trinkwasserversorgung in Dürregebieten, Bewässerung in der Landwirtschaft, Regenwassermanagement bei Starkregen, Kühlwasser für Industrie und Rechenzentren, Aufbereitung und Wiederverwendung.“
Im zweiten Quartal 2026 steigerte Xylem den Umsatz gegenüber dem Vorjahr um knapp zwei Prozent auf 2,34 Milliarden Dollar. Der Gewinn je Aktie legte um 19 Prozent auf 1,11 Dollar zu. Besonders kräftig entwickelte sich der Auftragseingang: Er stieg um 42 Prozent auf 3,1 Milliarden Dollar.
Von 22 Analysten empfehlen laut dem Finanzdienst LSEG 15 die Aktie zum Kauf und sieben zum Halten. Das durchschnittliche Kursziel liegt bei 159,5 Dollar. Das entspricht einem Aufwärtspotenzial von knapp 50 Prozent, nachdem die Aktie in diesem Jahr um 20 Prozent gefallen ist.
Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von knapp 20 auf Basis der für 2026 erwarteten Gewinne ist Xylem allerdings vergleichsweise hoch bewertet. Konkurrent Pentair kommt auf einen Wert von 13. Hier raten aber auch nur sieben von 18 Analysten zum Kauf der Aktie.
„Steigende Temperaturen erhöhen weltweit die Nachfrage nach Kühlung in Wohnhäusern, Büros, Schulen und Krankenhäusern“, sagt Self von Pictet Asset Management. Davon könnte Saint-Gobain profitieren. Der französische Baustoffkonzern produziert unter anderem Dämmstoffe, Sonnenschutzglas, Fassaden- und Dachsysteme und Bauchemikalien. Viele dieser Produkte schützen Gebäude nicht nur vor Kälte, sondern auch vor Hitze.
Hitzeresistente Gebäude könnten für Saint-Gobain zu einem zusätzlichen Wachstumstreiber werden. Der Konzern erzielte im ersten Halbjahr einen Umsatz von 23,6 Milliarden Euro. Während das erste Quartal noch witterungsbedingt schwach ausfiel, zog die Dynamik im zweiten Quartal deutlich an: Auf vergleichbarer Basis stieg der Umsatz um 3,5 Prozent.
Die Mehrheit der Analysten traut dem Titel weitere Kursgewinne zu. Von 21 Experten raten laut LSEG 17 zum Kauf, drei zum Halten und einer zum Verkauf. Ihr durchschnittliches Kursziel von 100 Euro liegt rund 30 Prozent über dem aktuellen Kurs. Mit einem KGV von knapp 13 ist der Titel moderat bewertet.
„Versicherer und Rückversicherer stellen Modellierungs- und Bewertungsverfahren sowie Kapazitäten für den Risikotransfer bereit und helfen Gesellschaften dadurch, Naturkatastrophen zu bewältigen“, sagt Portfoliomanager Padberg.
Ein Beispiel dafür ist Munich Re. Der Konzern zählt zu den führenden Rückversicherern weltweit und beschäftigt sich seit mehr als 50 Jahren mit Klima- und Wetterrisiken. Daten und Modelle helfen, Risiken durch Hochwasser, Stürme, Waldbrände und andere Naturgefahren zu bepreisen und versicherbar zu machen.
Der Klimawandel ist allerdings keine Garantie für höhere Gewinne. Häufigere und schwerere Naturkatastrophen führen zunächst zu höheren Schadenforderungen. Entscheidend ist daher, die wachsenden Risiken angemessen zu kalkulieren.
Munich Re ist ausgesprochen profitabel. Im zweiten Quartal 2026 stieg das Konzernergebnis um sechs Prozent auf 2,21 Milliarden Euro. Im ersten Halbjahr erhöhte es sich um knapp 24 Prozent auf 3,93 Milliarden Euro. Für das Gesamtjahr hält das Management am Gewinnziel von 6,3 Milliarden Euro fest.
Allerdings hat der Rückversicherer seine Umsatzprognose von 64 Milliarden auf 62 Milliarden Euro gesenkt. Auslöser dafür waren sinkende Preise in den Verhandlungen mit den Erstversicherern und Maklern.
Das Kurspotenzial ist aus Analystensicht überschaubar. Neun raten zum Kauf, neun zum Halten und vier zum Verkauf. Das durchschnittliche Kursziel von 555 Euro liegt rund fünf Prozent über dem aktuellen Niveau. Die Bewertung ist mit einem KGV von rund zehn ähnlich wie bei der Konkurrenz.
oder gar 40 Prozent könnte der Wert des Aktienportfolios des norwegischen Staatsfonds NBIM nach eigenen Angaben im Fall von schweren geopolitischen Krisen fallen. Sollten die KI-Erwartungen enttäuscht werden, könnten die Verluste 18 bis 35 Prozent betragen.
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