Wo die Risiken lauern | Die Gewinn-Illusion der Tech-Konzerne
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Donnerstag, 13.08.2026
Guten Morgen liebe Leserin, lieber Leser,
die Sommerferien gehen allmählich zu Ende, und wer nach einer wohlverdienten und hoffentlich nicht zu heißen Auszeit am Strand in den Bergen oder auf dem eigenen Balkon einen Blick auf sein Aktiendepot wirft, der wird sich wahrscheinlich freuen. Denn der deutsche Leitindex Dax und der S&P 500 an der Wall Street haben neue Rekorde erreicht.
Von Euphorie kann an den Märkten allerdings keine Rede sein, denn noch immer beschäftigen die Investoren die gleichen Fragen wie vor den Sommerferien. Von den Antworten hängt ab, ob der lange Aufschwung an den Börsen weitergehen kann oder nicht.
Wo stehen wir? Der Irankrieg ist noch immer nicht ausgestanden, der Ölpreis schwankt heftig, und so bleibt auch die Inflation beziehungsweise die Furcht vor steigenden Leitzinsen ein Risiko für die Märkte. Außerdem ist die Frage aller Fragen noch nicht abschließend beantwortet: Bläht sich gerade eine gigantische Kursblase rund um das Boomthema Künstliche Intelligenz (KI) auf?
Was ist zu erwarten? Die seit Monaten schwelenden Risiken sind über den Sommer nicht verschwunden, aber man kann auch einen anderen, optimistischeren Blick auf die Märkte werfen. Denn es gibt gute Gründe, warum der Dax über 26.000 Punkten steht und warum die großen Wall-Street-Indizes in der Nähe ihrer Rekorde notieren. Die Unternehmensgewinne wachsen auf breiter Basis solide, und die makroökonomischen Rahmenbedingungen bilden ein tragfähiges Gerüst für die aktuellen Bewertungen, was den breiten Aufwärtstrend stützt.
Wo liegen die Risiken? Fragt man den Fondsmanager Mark Dowding, dann ist klar, wo die Gefahren lauern – am Anleihemarkt. Dowding hat mehr als 30 Jahre Investmenterfahrung und verantwortet beim Vermögensverwalter RBC Bluebay Anleiheportfolios mit einem Volumen von mehr als 150 Milliarden Dollar. Gegenwärtig treibt ihn die Angst um, dass die Investoren die Gefahr von Zinserhöhungen
durch die großen Notenbanken unterschätzen. Seine Argumentation: Die vielen Krisen, von Corona über den Ukraine- bis hin zum Irankrieg, haben die Lieferketten nachhaltig gestört. Das treibt die Inflation und erhöht damit den Handlungsdruck für die Zentralbanken.
Straße von Hormus (Foto: Amirhosein Khorgooi / ISNA / AP / dpa)
Steigende Zinsen erhöhen die Finanzierungskosten für die gesamte Wirtschaft, schaden also auch den Unternehmensgewinnen und damit den Aktienkursen. Am Anleihemarkt liegen die Renditen für zehnjährige US-Staatsanleihen schon jetzt so hoch wie seit der Finanzkrise 2008 nicht mehr.
Was können Anleger tun? Die Schaukelbörsen der vergangenen Monate werden uns wohl bis in den Herbst hinein begleiten. Stephan Kemper, Wertpapierstratege bei der französischen Großbank BNP Paribas, weist darauf hin, dass Rekordstände an den Börsen selten isoliert auftreten. Die historische Datenanalyse bestätige die Regel: „The trend is your friend.“ Dieser Analyse zufolge bringt ein Einstieg auf Rekordniveau
langfristig keine statistischen Nachteile. Auf Sicht von drei Jahren schlagen die durchschnittlichen Renditen nach einem Allzeithoch demnach sogar den breiten Marktdurchschnitt.
Die Hoffnung auf neue Börsenrekorde ist also trotz aller Risiken nicht unbegründet. In diesem Sinne ebenso optimistische wie herzliche Grüße
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Die Gewinne der großen Tech-Konzerne sind geringer, als es auf den ersten Blick scheint. Einige verbrennen inzwischen sogar Geld. Die Konsequenzen könnten am Ende auch ETF-Anleger treffen.
Die Digitalkonzerne treiben die Wall Street: Aber wie lange noch? (Foto: Reuters, Bloomberg [M])
Die großen Tech-Konzerne haben ihre Nettogewinne im ersten Halbjahr deutlich gesteigert. Allein Alphabet, Amazon, Meta und Microsoft verdienten zusammen knapp 380 Milliarden Dollar. Das ist eine Verdopplung gegenüber dem Vorjahreszeitraum.
Berechnungen des Handelsblatts zeigen allerdings: Die Nettogewinne sind verzerrt, vor allem durch unrealisierte Buchgewinne auf Unternehmensbeteiligungen aus dem Bereich KI. Um diesen Effekt bereinigt, fallen die Nettogewinne im Extremfall um fast 50 Prozent niedriger aus.
Im zweiten Quartal verbrannten einige der Tech-Größen sogar Geld, anstatt welches zu verdienen. Diese Entwicklung stellt das Fundament der aktuellen Börsenrally infrage.
Lesen Sie im folgenden Text, wie gefährlich die Gewinn-Illusion für US-Tech-Aktien und die KI-Rally werden kann.
Andreas Neuhaus
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Trends & Analysen
Geldanlage
Diese Aktien profitieren vom Mercosur-Abkommen
Jahrzehnte wurde mit Lateinamerika über das Abkommen verhandelt, im Mai ist es vorläufig in Kraft getreten. Als Folge sollen die Zölle um 90 Prozent sinken. Was Anleger beachten müssen.
von Selma Schmitt
Ein Vierteljahrhundert haben die EU und die vier Mercosur-Staaten verhandelt – seit Mai gilt ein Handelsabkommen zwischen Brasilien, Argentinien, Paraguay, Uruguay und den EU-Staaten. Die Zölle sollen um bis zu 90 Prozent sinken, die Beteiligten sprechen von einer der größten Freihandelszonen der Welt.
Mehr als 700 Millionen Menschen leben in den beteiligten Staaten, sie produzieren 20 Prozent der globalen Wirtschaftsleistung. Und das könnte noch mehr werden, sagt Ulrich Kater, Chefvolkswirt der Dekabank: „Seit in den vergangenen Jahren der freie Austausch von Waren immer stärker unter politischen Druck geraten ist, suchen alle Unternehmen nach Ausweichmöglichkeiten.“ Das Freihandelsabkommen mit Lateinamerika biete dafür breite neue Möglichkeiten. Anleger können auf unterschiedliche Sektoren setzen.
Profitieren dürfte im ersten Schritt vor allem die traditionell durch hohe Zölle abgeschottete Landwirtschaft. Laut EU-Kommission zählen diese Produkte zu den wichtigsten aus dem Mercosur-Raum in die EU exportierten landwirtschaftlichen Gütern:
Ölsaaten und Eiweißpflanzen (34 Prozent)
Kaffee, Tee, Kakao und Gewürze (26,4 Prozent)
Rindfleisch (7,7 Prozent)
Obst und Nüsse (7,6 Prozent)
Die Zölle entfallen nicht sofort. Während bestimmte Meeresfrüchte, Erdnüsse und Sojaschrot bereits zollfrei gehandelt werden können, werden Exporte von Rindfleisch, Geflügel, Zucker und Ethanol erst schrittweise begünstigt. Zudem erhöhen die Partner die zollfreien Importquoten im Zeitverlauf weiter. Claus Born, Portfoliomanager bei Franklin Templeton, warnt vor zu viel Euphorie bei Investoren: „Positive Auswirkungen werden erst im Zeitablauf voll realisiert werden können.“
Sojabauern im brasilianischen Bundesstaat Mato Grosso (Foto: Moment / Getty Images)
Dazu kommt: Nur wenige Agrarunternehmen aus Südamerika sind börsennotiert. Eines davon ist der brasilianische Fleischverarbeitungskonzern JBS (ISIN: NL0015002J37), der über eine niederländische Holding an der Börse notiert ist, um sich leichter Zugang zu Kapital zu verschaffen.
Das Unternehmen handelt mit Rind-, Schweine-, Geflügel- und Lammfleisch sowie pflanzlichen Fleischalternativen und Fertiggerichten. Mit einer Marktkapitalisierung von umgerechnet rund 15 Milliarden US-Dollar liegt der Titel knapp hinter Konkurrent Tyson Food (ISIN: US9024941034) (20 Milliarden US-Dollar). Das Kurs-Gewinn-Verhältnis ist mit elf deutlich niedriger als bei Tyson, der auf 20 kommt. JP-Morgan-Analysten sehen Potenzial und stuften den Titel zuletzt auf „Kaufen“ hoch. Ihr Kursziel liegt bei 18 US-Dollar.
Aus Anlegersicht dürften andere Sektoren, in denen es mehr börsennotierte Unternehmen gibt, interessanter sein. Zudem beschränken sich die Anlageziele faktisch auf Brasilien und Argentinien, da es in Paraguay und Uruguay keine nennenswerten Aktienmärkte gibt. Brasilien hat dabei besonderes Gewicht, weil die Volkswirtschaft größer und besser zugänglich ist.
Fokus auf Brasilien
Zu den größten börsennotierten Sektoren dort dürfte der Metallsektor zählen, „unterstützt durch die jüngste Preisentwicklung bei Eisenerz, Kupfer und Nickel“, kommentiert Ulrich Stephan, Chefanlagestratege der Deutschen Bank. Auch bei den sogenannten seltenen Erden könne Brasilien punkten. Außerdem dürfte die brasilianische Luft- und Raumfahrtindustrie vom neuen Abkommen profitieren, weil die Zölle auf Industriegüter fallen.
Der wichtigste börsennotierte Player ist hier Flugzeugbauer Embraer (ISIN: US29082A1079). Die Aktie legte am Montag kräftig zu, nachdem die Quartalszahlen die Erwartungen der Analysten übertroffen hatten.
In Argentinien sieht der Chefstratege der Deutschen Bank an anderer Stelle Potenzial: „Energie sticht als zentraler Profiteur hervor“, betont Stephan. Das Abkommen werde weitere Investitionen in Öl und Gas nach sich ziehen. Diese wiederum dürften Joint Ventures zwischen EU-Unternehmen und börsennotierten argentinischen Firmen in der Region Vaca Muerta erleichtern. Der Energiesektor macht mit 45 Prozent derzeit den größten Anteil im MSCI Argentina aus.
Ein möglicher Profiteur könnte zudem Vista Energy (US92837L1098) sein. Auch wenn das Unternehmen seinen Sitz in Mexiko hat, macht es einen Großteil seines Umsatzes in Argentinien.
Abschlag zu Schwellenländern
Der Einstiegszeitpunkt scheint günstig: „Sowohl brasilianische als auch argentinische Aktien sind weiterhin günstig bewertet“, sagt Templeton-Portfoliomanager Born. Im MSCI Brasil liegt das durchschnittliche Forward-KGV derzeit bei acht, im argentinischen Pendant bei neun. „Beide Märkte werden somit mit einem deutlichen Abschlag zu den Schwellenländern und den Industrieländern gehandelt“, sagt Born.
Die Gewinnwachstumsaussichten seien für das laufende Jahr in beiden Märkten positiv, es gebe aber auch Belastungsfaktoren: In Brasilien stehen im Oktober Präsidentschaftswahlen an. In Argentinien ist unklar, ob die von Präsident Milei angestoßenen Wirtschaftsreformen auf Dauer Früchte tragen. Ein wahlbedingter Kurswechsel in Brasilien oder ein Scheitern der Milei-Reformen in Argentinien könnten die erhofften Effekte des EU-Mercosur-Abkommens verzögern.
Und noch eines könnte Spekulationsgewinnen im Wege stehen: die Rechtsunsicherheit auf EU-Seite. Bisher gilt das Abkommen nur vorläufig. Der Europäische Gerichtshof prüft derzeit die Rechtmäßigkeit des Vertrags, außerdem müssen die EU-Mitgliedstaaten das Abkommen noch ratifizieren.
Wer nicht über Einzeltitel gehen will, kann auf einen Lateinamerika-Fonds setzen, spezielle Mercosur-Fonds gibt es dagegen nicht. Im MSCI Latin America ist von den vier Staaten nur Brasilien vertreten und macht mit rund 60 Prozent zugleich das größte Gewicht aus. In aufstrebenden Märkten kann auch eine aktive Strategie sinnvoll sein, weil hier Bewertungen weniger effizient sind, was die Chancen auf Outperformance vergrößert.
Im „Schroders International Selection Fund Latin America“ (LU0086394185) gehört Brasilien mit 56 Prozent zu den Schwergewichten, wie auch beim „Templeton Latin America Fund“ (LU0029865408). Im „Barings Latin America Fund“ (IE0004851022) liegt der Brasilienanteil mit 59 Prozent etwas höher. Die anderen Mercosur-Länder sind kaum oder überhaupt nicht vertreten.
Zahl der Woche
... Häuser und Wohnungen – knapp jedes dritte Eigenheim – sind in Deutschland Schätzungen der Immobilienplattform Jacasa zufolge derzeit im Besitz von Babyboomern. In den kommenden Jahren kommen demnach massenhaft Objekte auf den Markt, was zu fallenden Immobilienpreisen führen wird. Dieses Szenario entwerfen zuletzt mehrere Studien für Länder wie Deutschland und Frankreich.
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