Elon Musk mag es gerne groß. Stünde die Rakete Starship seines Unternehmens SpaceX mitten in Hamburg, würde sie die St.-Michaelis-Kirche um zehn Meter überragen. Man könnte von purem Größenwahn sprechen, wenn Musk mit seinen Raketen nicht auch technologisch liefern würde. Denn der Multimilliardär macht das Weltall massentauglich mit Raumfahrt vom Fließband. Die Starship ist keine Einzelanfertigung, sondern wird in Serie produziert – sie ist also „wiederverwendbar“.
In der Nacht wurde ein geplanter Start der Rakete wegen technischer Probleme zwar verschoben, doch schon im nächsten Jahr soll sie wöchentlich und ab 2030 sogar täglich abheben. Damit könnte SpaceX rein rechnerisch alle drei Wochen die Masse der heute aktiven Satelliten im All verdoppeln.
Warum ist das so relevant? Weil SpaceX mit seinen Satelliten auch den globalen Mobilfunk aufmischt. Starlink ist nicht mehr nur ein Internetdienst für entlegene Winkel der Welt. Es ist ein globaler Mobilfunkanbieter in Entstehung. Das ist enorm wichtig für Elon Musk, denn er plant mit SpaceX schon in wenigen Wochen den größten Börsengang der Wirtschaftsgeschichte und muss die Rekordbewertung von vielleicht zwei Billionen Dollar auch mithilfe des Mobilfunkpotenzials rechtfertigen.
Meine Kollegen, die Handelsblatt Technologieexperten Thomas Jahn und Stephan Scheuer, haben sich für den großen Freitagstitel die Möglichkeit einer neuen Revolution im All angeschaut. Ihr Fazit: Der globale Mobilfunk wird sich durch den Börsengang von SpaceX radikal verändern. Eine Entwicklung, die auch ein großes deutsches Unternehmen in Bonn mit großer Sorge beobachtet.
Dass Musk mit SpaceX an die Börse strebt, ist schon länger ein offenes Geheimnis. Am Mittwochabend dann wurde es konkret, als sein Unternehmen die Zulassungsunterlagen bei der US-Börsenaufsicht SEC einreichte. Und das Raumfahrtunternehmen mit der Rekordbewertung ist bei weitem nicht das einzige Technologieunternehmen, das einen Börsengang anstrebt. Gleichzeitig wurde bekannt, dass OpenAI-Chef Sam Altman womöglich noch an diesem Freitag einen vertraulichen Börsenantrag stellen will.
Das Vorpreschen könnte die Konkurrenz unter Druck setzen, ihre Börsenpläne ebenfalls vorzuziehen – allen voran den derzeit erfolgreichsten KI-Entwickler Anthropic. Der Run aufs Börsenparkett ist eine neue Entwicklung. Denn die heißesten Tech-Start-ups mieden die Kapitalmärkte viele Jahre lang – und wuchsen trotzdem zu den mächtigsten Konzernen der Welt heran. Nun drängen sie fast zeitgleich an die Börse.
Dabei sind die angestrebten Bewertungen historisch: SpaceX peilt das 107-Fache des Umsatzes von 2025 an und auch OpenAI könnte die Billionen-Marke knacken. Doch Experten warnen vor hohen Risiken angesichts der astronomisch hohen Bewertungen. Der Boom der Mega-IPOs könnte die Kapitalmärkte an den Rand ihrer Aufnahmefähigkeit bringen.
Die neuen Lieblingsaktien der Hedgefonds kommen aus unterschiedlichen Branchen. (Foto: Getty Images [M])
Keine KI-Skepsis bei Großinvestoren
„Was anfangen mit dem Tech-Boom?“, fragen sich jetzt Anlegerinnen und Anleger. Mein Kollege Andreas Neuhaus hat sich angeschaut, wie professionelle Investoren mit der aktuellen Lage umgehen. Das Fazit: Von Skepsis gegenüber dem KI-Boom ist dort nichts zu sehen. Im Gegenteil, US-Hedgefonds haben ihre Depots für das zweite Quartal kräftig umgebaut und umgeschichtet. Das zeigen Daten der US-Großbank Goldman Sachs.
Demnach sind unter den 20 größten Positionen im Quartalsvergleich sechs neue Aktien: Vier gelten als Profiteure des Booms Künstlicher Intelligenz (KI), hinzu kommen eine Bank und ein Sonderfall. Mein Kollege stellt die sechs Unternehmen vor und zeigt, wie Analysten die Aussichten einschätzen.
Deutschland ist stärker auf verflüssigtes Erdgas angewiesen. (Foto: dpa)
Der dysfunktionale Gasmarkt
Es ist ein kurioser Satz, dessen Bedeutung sich erst bei genauerem Hinsehen entfaltet: Beim Gas hat sich der Unterschied zwischen den Sommer- und den Winterpreisen teilweise umgekehrt. Im Gegensatz zu früheren Zeiten ist Gas im Frühjahr und Sommer mittlerweile mitunter teurer als im Winter. Das liegt daran, dass der Markt globaler geworden ist. Deutschland ist nach dem Wegfall russischer Lieferungen stärker auf den Import von verflüssigtem Erdgas angewiesen, das ganzjährig stark nachgefragt wird. Die saisonalen Unterschiede verschwimmen dadurch.
Was nach einer technischen Detailfrage klingt, ist für Deutschlands Energieversorgung tatsächlich essenziell. Hierzulande setzen wir auf veraltete Marktmechanismen, die nicht mehr wie früher funktionieren. Denn wenn die Händler auf sinkende Preise zum Winter warten, fehlt der Anreiz, die Speicher wie sonst im Sommer zu befüllen und für den Winter zu hamstern. Die Konsequenz: Deutschland könnte im kommenden Winter Schwierigkeiten mit der Gasversorgung bekommen.
Nachdem sich die Bundesregierung auf einen Staatseinstieg beim Panzerhersteller KNDS geeinigt hat, ist eine wichtige Frage weiterhin ungeklärt: Braucht das Unternehmen künftig auch einen strategischen Investor aus der Privatwirtschaft? Teile der Bundesregierung streben einen solchen Einstieg an.
Das Kalkül dahinter lautet: Je größer der Einfluss privater Anteilseigner, desto effizienter könne der Panzerbauer produzieren. Als möglicher Kandidat wird der Autobauer Mercedes-Benz genannt. Hier allerdings endet die Einigkeit der Regierung. Das Verteidigungsministerium hält die Idee nach Handelsblatt-Informationen für abwegig. Auch ein Mercedes-Sprecher dementierte einen potenziellen Einstieg. Das entbehre jeder Grundlage.
Kennen Sie das? Sie feiern Geburtstag und merken plötzlich, dass Sie ein paar Jahre älter sind als ursprünglich gedacht. Vielleicht ist Ihnen das noch nicht passiert, uns aber schon. Denn das Morning Briefing feiert zwar in diesen Tagen seinen 15-jährigen Geburtstag – die ersten Spuren eines solchen Newsletters gehen allerdings noch einige Jahre weiter zurück. Alles begann mit einem Finanzbriefing, das 2009 zu einem allgemeinen Newsletter wurde. Das wollte ich nach der gestrigen Ausgabe gerne noch präzisieren.
Doch die 15 Kerzen auf dem Geburtstagskuchen können trotzdem stehen bleiben. Denn das personalisierte Briefing in dieser Form entstand erst 2011. Wie heißt es so schön? Das Alter ist auch nur eine Zahl.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Ihr Alter keine Rolle spielt.
Herzliche Grüße
Ihre Teresa Stiens Autorin Handelsblatt
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15 Jahre – 15 Fakten
#4: So global ist das Morning Briefing
Das Morning Briefing ist Teamarbeit und verbindet Kontinente – im Wortsinn: Redakteurinnen und Redakteure in der Düsseldorfer Zentrale bereiten täglich die Grafik fürs Editorial und weitere Inhalte für den „unteren“ Teil des Newsletters vor. Bis Mitternacht schreiben die Autoren ihre Editorials, oft im Homeoffice – Sven Prange zum Beispiel derzeit meist in Tübingen.
Jeweils zwei von sechs erfahrenen, freien Journalistinnen produzieren dann von ein Uhr nachts deutscher Zeit gemeinsam den Newsletter. Sie stimmen sich rein digital ab und sind sich fast allesamt noch nie begegnet – leben und arbeiten in den USA, Thailand und Australien.
Je eine von ihnen redigiert das Editorial und führt die einzelnen Absätze und Elemente des Newsletters zum finalen Briefing zusammen. Die andere hat die aktuelle Nachrichtenlage im Blick, liefert weitere aktuelle Elemente zu und arbeitet am Ende das Editorial in ein Skript für den Podcast um.
Das Editorial ergänzen sie bei Bedarf, wenn Autor oder Autorin in Deutschland schon schlafen, um unerwartete Ereignisse – oder auch mit Nachrichten zu aktuellen Themen, bei denen bis Mitternacht noch kein neuer Stand vorlag, zum Beispiel bei politischen Wahlen. Das geschieht in engem Austausch mit dem Nachtdienst der Handelsblatt-Redaktion in den USA.
Kurz vor fünf Uhr morgens startet dann Sprecher Peter Hofmann in Berlin die Aufnahme des Morning-Briefing-Podcasts. Gegen 5:15 Uhr geht der fertig produzierte Newsletter in der kostenfreien und der ausführlicheren Abo-Version heraus.
Der US-Nachtdienst oder der Frühdienst in Düsseldorf bereiten schließlich das Editorial im Handelsblatt-Redaktionssystem noch derart auf, dass es kurz vor sechs als Artikel auf der Website erscheinen kann. Und ab etwa sechs Uhr steht täglich das Morning Briefing zum Anhören bereit.
Dieser Text ist Teil unserer Serie zu 15 Jahren Handelsblatt Morning Briefing. (Grafik: Hendrik Wünsche)
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…Tech-Start-ups haben ihren Sitz in Berlin. Das ist das Ergebnis einer Auswertung der Unternehmensdatenbank Dealroom durch das Handelsblatt Research Institute. Zum Vergleich: München kommt auf 170, ganz Baden-Württemberg auf 67. Erste Ergebnisse einer gemeinsamen Studie von HRI und Oliver Wyman veröffentlicht das Handelsblatt.
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