Leonardo-Chef im Interview | Industrie übt mit Wargames | Diplomatie-Show der US-Unterhändler
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Mittwoch, 09.09.2026
Markus Fasse
Rakete „Spectrum“ beim Start in Norwegen: Die Bundeswehr hat höchstes Interesse an nationalen Raketenherstellern. (Foto: -/Isar Aerospace/dpa)
Liebe Leserinnen und Leser,
am vergangenen Samstag schrieb ein deutsches Start-up Geschichte: Um 22:12 Uhr startete eine Spectrum-Trägerrakete vom Startplatz Andøya in Norwegen und erreichte wenige Minuten später den Weltraum. Damit gelang dem Münchener Unternehmen Isar Aerospace der erste kommerzielle Orbitalflug, der von europäischem Boden ausging.
Tatsächlich dürfte das deutsche Militär der Ankerkunde werden. Denn bislang hat die Bundeswehr eigene Satelliten nur über die europäische Ariane oder die Falcon von SpaceX starten können. Doch hier sind die Kapazitäten begrenzt, die Startfenster teilweise auf Jahre ausgebucht.
Mit der 28 Meter langen Spectrum-Trägerrakete bekommt die Truppe nun eine nationale Alternative. Mit ihr lassen sich Nutzlasten bis zu einer Tonne in erdnahe Umlaufbahnen bringen: schnell, preiswert und vor allem ohne die Mitsprache anderer. Und, wenn es sein muss, auch mehr als einmal pro Woche.
Microlauncher sind ein Machtmittel
Neben Isar Aerospace arbeiten in Deutschland auch die Rocket Factory Augsburg und HyImpulse an solchen „Microlaunchern“. Damit könnte die Bundeswehr in schneller Folge Kommunikations- und Spionagesatelliten starten und somit eine eigene Infrastruktur im Weltraum aufbauen. Dafür sorgen auch immer neue Start-ups, die beispielsweise mithilfe von Künstlicher Intelligenz (KI) die Leistungsfähigkeit von Satellitendaten deutlich steigern.
Das Geld dafür ist da: Bis zu 35 Milliarden Euro will die Bundeswehr bis 2030 in die Weltraumtechnik stecken. Damit hat Deutschland in Europa mit Abstand den größten Etat für die militärische Raumfahrt. Bis zu 1200 Satelliten könnte die Bundeswehr in den kommenden Jahren starten. Von den Großaufträgen profitieren vor allem OHB in Bremen, Airbus Defense and Space und Rheinmetall. Zum Beispiel „Satcom BW4“: Das System soll die Truppe flächendeckend mit Internet versorgen.
Aus Sicht der Bundeswehr ist der Aufbau solcher Strukturen überfällig. Denn ohne die Technik aus dem Weltraum geht auf der Erde nichts mehr. Als Anfang 2022 Wladimir Putin die Invasion in der Ukraine vorbereitete, entlarvten amerikanische Aufklärungssatelliten die massiven Kriegsvorbereitungen Russlands. Europa fehlte mangels ausreichender Satellitenaufklärung dieses eindeutige Lagebild.
Und es ist bis heute das Starlink-System des US-Unternehmers Elon Musk, das den ukrainischen Truppen entscheidende Vorteile im Drohnenkrieg sichert. Doch weder die amtierende US-Regierung noch Elon Musk sind verlässliche Partner für die Ukraine oder Europa. Höchste Zeit also, Aufklärung und Kommunikation autonom aufzustellen. Schließlich erhöht Putin den Druck auf Europa mit hybriden Attacken weiter.
Wir müssen unsere Satelliten schützen
Wie auf der Erde, so verschwimmt auch im Weltraum die Grenze zwischen Krieg und Frieden. Satelliten sichern unsere Kommunikation, navigieren Autos, Schiffe und Flugzeuge. Und so wie auf der Erde Pipelines, Flughäfen und Stromnetze Ziele von hybriden Attacken sind, so mutiert auch der Weltraum zunehmend zu einer rechtlosen Zone.
Verteidigungsminister Boris Pistorius (r.) beim Weltraumkommando in Uedem. (Foto: picture alliance/dpa)
Seit 2021 unterhält die Bundeswehr im niederrheinischen Uedem ein Weltraumkommando, um das Treiben im erdnahen Bereich zu kontrollieren. Immer häufiger beobachten die Soldaten, wie Satelliten gestört oder abgedrängt werden. Mit eigenen Raketen wie der Spectrum hat die Bundeswehr nun die Möglichkeit, schnell einzugreifen. Das umfasst die Fähigkeit, bei Ausfällen eigene Satelliten nachzuschießen – oder sich zu wehren. Die Bundeswehr will bald in der Lage sein, auch andere Satelliten lahmlegen zu können.
Die Milliardensummen für die deutsche Aufrüstung im All verschieben auch auf der Erde die Macht. Deutschland übernimmt zunehmend eine führende Rolle in der europäischen Raumfahrt. Eine Rolle, die bislang vor allem Frankreich für sich beansprucht hat.
Ende der Woche lädt Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron zu einem Weltraumgipfel nach Paris. Frankreich wird auf die Bedeutung von Gemeinschaftsprojekten pochen, beispielsweise auf den Aufbau des Satellitennetzwerkes Iris2, das die europäische Kommission vorantreibt. Oder auf die Fusion der europäischen Satellitentöchter von Thales, Leonardo und Airbus, deren Zentrale in Toulouse angesiedelt werden soll. Oder auf die Weiterentwicklung der Ariane-Trägerraketen, die vom Weltraumbahnhof Kourou in Französisch-Guayana aus starten.
Es wird auch Aufgabe der deutschen Delegation sein, die Milliardenausgaben im rechten Licht darzustellen. Nämlich als eine notwendige Investition in die Sicherheit und Souveränität Europas.
Bleiben Sie wehrhaft!
Mit besten Grüßen aus München
Ihr
Markus Fasse
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Lagebericht
Der hier abgebildete börsengehandelte Indexfonds (ETF) umfasst zurzeit 60 Unternehmen, die an Verteidigungs- und Cyberverteidigungsausgaben von Nato-Mitgliedern und ihren Verbündeten verdienen. Die Gewichtung ändert sich regelmäßig.
Das größte Gewicht haben derzeit Palantir und Rheinmetall, gefolgt von Safran. US-Unternehmen bilden mit aktuell fast 61 Prozent die größte Gruppe; französische und britische Unternehmen folgen mit neun beziehungsweise sieben Prozent.
Wir haben diesen ETF als Grundlage für unsere Grafik ausgewählt, um exemplarisch die Kursentwicklung der Rüstungsbranche zu zeigen. Erstmals aufgelegt wurde der ETF am 3. Juli 2023.
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