Black Forest Labs: „Manches können wir besser als OpenAI“ | KI-Modell Claude hackt bei Testlauf drei Unternehmen
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Freitag, 31.07.2026
Stephan Scheuer
Lesezeit: 10 Minuten
Wenn Sie nur wenig Zeit haben,
liebe Leserinnen und Leser,
dann lohnt sich ein Blick auf die Quartalszahlen der großen Tech-Konzerne. Die zeigen: Der KI-Boom geht weiter. Es wird so viel für Rechenzentren investiert, wie nie zuvor. Doch der Markt wird gnadenloser. Dem kann sich auch Apple nicht entziehen.
KI-Illustration: An den Märkten werden die Strategien und Ausgaben der großen Tech-Firmen strenger bewertet. (Foto: Stephan Scheuer / GPT Image 2)
Warum das wichtig ist: Weil sich der Blick der Börse auf die Entwicklungen bei Künstlicher Intelligenz (KI) verschiebt. Es wird strenger bewertet. Das ist für mich ein Schritt in die richtige Richtung. Denn er kann dazu beitragen, dass nicht irgendwann eine Blase platzt. Um das zu verstehen, hilft ein genauer Blick auf die Firmen.
Doch trotz solider Zahlen kam die schonungslose Abrechnung. Die Apple-Aktie brach zwischenzeitlich um mehr als acht Prozent ein. Auf den ersten Blick passt die Entwicklung nicht zusammen.
Der Boom bei Künstlicher Intelligenz und deren Infrastruktur hat die Bewertungen von US-Technologiefirmen in ungeahnte Höhen getrieben. Vielleicht keine klassische Blase, aber aufgebläht sind die Bewertungen auf jeden Fall.
Microsoft und Amazon als Gewinner
Microsoft-Chef Satya Nadella konnte für seine Cloud-Sparte ein Wachstum von 43 Prozent ausweisen. Und die Börse jubelt. Im Nachgang steigt die Marktkapitalisierung des Windows-Konzerns um 450 Milliarden Dollar an einem Tag – der größte Einzelsprung eines Unternehmens in der Börsengeschichte.
Amazon-Chef Andy Jassy wird ebenfalls wohlwollend an den Märkten wahrgenommen, nachdem seine Cloud-Sparte um 37 Prozent zugelegt hat. Was beide Firmen vereint: Die Milliardensummen, die sie für KI-Infrastruktur ausgeben, helfen dem Geschäftsmodell unmittelbar. Neue Chips von Nvidia können Microsoft-Kunden sofort buchen und nutzen. Der Nutzen ist direkt messbar.
Dabei wird es Jassy nicht negativ ausgelegt, dass er die ohnehin schon hohen Ausgaben für Rechenzentren und andere Infrastruktur von gewaltigen 200 Milliarden Dollar in diesem Jahr nun sogar auf 220 Milliarden Dollar anheben will.
Meta fehlt das Geschäftsmodell
Hingegen wurde Meta-CEO Mark Zuckerberg bei der Vorlage der Quartalszahlen abgestraft. Die Aktie fiel zwischenzeitlich um mehr als zehn Prozent und erholte sich in den Tagen danach kaum. Zuckerberg hat kein unmittelbares Geschäft mithilfe von KI.
Er sagt, dank Künstlicher Intelligenz laufe das Werbegeschäft besser. Und er kann das mit ersten Zahlen belegen. Es ist aber unklar, ob das auch die anvisierten Ausgaben von bis zu 145 Milliarden Dollar in diesem Jahr für KI-Infrastruktur rechtfertigt.
Meta-Chef Mark Zuckerberg: Der Konzern hat die Investoren mit seinem Quartalsbericht enttäuscht. (Foto: Jeff Chiu/AP/dpa)
Zudem hat Zuckerberg ein Vertrauensproblem. Seine Stimmrechte geben ihm volle Kontrolle über den Konzern. Seit 2022 behauptete er, das Metaversum sei die Zukunft. Darauf wettete er seine Firma und nannte sie sogar in Meta um. Dann kam der Kurswechsel zu KI.
Heute versucht Zuckerberg, das Geschäft von Amazon und Microsoft zu kopieren. Künftig will Meta auch Rechenleistung an Kunden vermieten. Ob das funktioniert? Die Anleger sind skeptisch.
Google auf der Kippe
Google-Chef Sundar Pichai ist eigentlich in einer komfortablen Position. Er hat ein Cloud-Geschäft wie Amazon und Microsoft. Gleichzeitig arbeitet sein Team an zukunftsweisenden KI-Modellen. Google ist der einzige der großen Tech-Konzerne, der bei der Leistung seiner KI-Lösungen mit den führenden Start-ups Anthropic und OpenAI mithalten kann.
Bei der Vorlage der Quartalszahlen der Google-Muttergesellschaft Alphabet wurde Pichai dennoch im Nachgang von den Anlegern abgestraft. Hier scheint es zwar keine grundsätzlichen Zweifel am Geschäftsmodell zu geben. Analysten äußerten aber Sorgen, dass sich Pichai verhebt. Die Cloud-Sparte von Google ist viel kleiner als die von Amazon. Dennoch peilt Pichai mit rund 205 Milliarden Dollar Infrastrukturausgaben eine ähnliche Höhe an.
Apple wird fürs Zögern bestraft
Tim Cook machte lange keine gute Figur im KI-Wettrennen. Wichtige Führungskräfte verließen die Firma, der neue Sprachassistent Siri wurde immer wieder verschoben. Am Ende setzt Cook auf Google als Partner für KI-Lösungen.
Genau das half Cook zuletzt. Seine Firma hatte nicht Hunderte von Milliarden Dollar in Rechenzentren investiert, kann ihren Kunden mittlerweile aber dennoch KI-Funktionen bieten. An der Börse erreichte Apple vor wenigen Tagen eine Bewertung von mehr als fünf Billionen Dollar.
Doch dann wurde Apple eingeholt. Engpässe entlang der Lieferkette schlagen sich auf das Apple-Geschäft nieder. Speicherchips sind an den Weltmärkten weitgehend aufgekauft, weil sie für Datencenter gebraucht werden. Apple hat bereits Preise für viele Produkte angehoben, und Cook blieb bei der Prognose hinter den Erwartungen der Analysten zurück.
Fazit
Der Boom bei Künstlicher Intelligenz geht weiter. Die Ausgaben für Rechenzentren steigen. Das haben die Quartalszahlen der letzten Woche belegt. Die Reaktionen an den Märkten zeigen aber, dass sich die Spielregeln geändert haben. Wer mitmacht, muss beweisen, dass sich der Einsatz rechnet. Wer nicht mitmacht, wird von Nebenwirkungen erwischt. Apple ist der Beweis, dass es im KI-Zeitalter keine reinen Zuschauer gibt.
Lina Knees ist Handelsblatt-KI-Reporterin und Daten-Journalistin. (Optik: Michel Becker)
„Your AI text is not mine.“ Ein Schreckgespenst namens Pangram hat in den vergangenen Wochen die deutsche Medienlandschaft heimgesucht. Ein KI-Modell, das KI-generierte Texte erkennen können will. Politikerinnen und Journalisten wurden mit Pangram bereits des KI-Plagiats beschuldigt. Zusammen mit meinen Kollegen Sonja Schlacht und Gunter Nowy habe ich mir genauer angeschaut, wie Pangram funktioniert. Wir haben festgestellt: KI-Einsatz ist nicht gleich KI-Plagiat.
Was dahintersteckt: Sich von einer KI bei der richtigen Formulierung helfen zu lassen, ist eine Sache. Thesen, Ideen oder Argumentationen von einer KI vorgeben zu lassen, ist eine andere. Und dazwischen gibt es Tausende Möglichkeiten, einen Text unter Einsatz einer KI zu schreiben. Und wie ich in Gesprächen mit Bekannten, Freundinnen und Kollegen festgestellt habe, gibt es genauso viele Meinungen dazu, welche KI-Nutzung zulässig ist und welche nicht.
Anders gefragt: Bis wann ist der Einsatz von KI beim Schreiben von Texten eigentlich noch legitim? Und wann nicht mehr?
KI-Detektoren wie Pangram geben keine Antwort auf diese Frage, genauso wenig messen sie den genauen KI-Einsatz. Pangram erkennt nicht, ob jemand seinen Textaufbau mit KI entwickelt, das Tool bei der Recherche oder im Brainstorming genutzt oder einen fertigen KI-Text selbst noch einmal umformuliert hat, damit er menschlicher klingt. Pangram erkennt nur, ob ein Text Formulierungen enthält, die typisch für KI-Texte sind. Das hat die Software gelernt, weil ihre Entwickler sie auf über 28 Millionen menschengeschriebenen Texten und deren KI-Kopien trainiert haben.
Im realen Leben sind Texte wohl selten 100 Prozent Mensch oder 100 Prozent KI. Forscherinnen der TU Darmstadt haben deshalb ihr eigenes Datenset aufgebaut, indem sie Probanden gebeten haben, mithilfe von KI einen Text zu schreiben. Heraus kamen Texte, die auf unterschiedlichste Weise KI-generierte Abschnitte, Sätze, grundlegende Ideen und Strukturen enthielten. KI-Detektoren waren danach laut den Forscherinnen nicht mehr besonders gut darin, die KI-Nutzung auf den verschiedenen Ebenen zu erkennen, die über das Formulieren hinausgingen.
Wie ich KI nutze, unterscheidet sich höchstwahrscheinlich sehr stark davon, wie andere KI nutzen. Umso wichtiger wird es, dass wir uns an Schulen, Universitäten, in Redaktionen und als Gesellschaft darauf einigen, welche KI-Nutzung bei Texten wir für zulässig halten. Sonst übernimmt das ein Tech-Start-up und drückt uns ohne Erklärung einen Prozentwert auf.
In der Rubrik „Linas Labor“ stellt KI-Reporterin Lina Knees wöchentlich einen zentralen Begriff, eine wegweisende Studie oder ein neues KI-Werkzeug vor.
Was Sie sonst noch wissen sollten
Gründer des KI-Labors Black Forest Labs: Tim Dockhorn (v.l.), Andreas Blattmann, Dominik Lorenz, Robin Rombach, Jonas Müller, Axel Sauer, Frederic Boesel. (Foto: Florian Forsbach)
„In Europa unterschätzen wir China oft“, warnt Black-Forest-Labs-Mitgründer Axel Sauer mit Blick auf das KI-Wettrennen. Das deutsche Start-up konkurriert mit Google, OpenAI und chinesischen Anbietern wie Bytedance um die nächste Generation visueller KI. Mit Flux 3 erzeugt BFL Bilder, Videos und Audios – und kann auch Roboter steuern. Erste Anwendungen testet Black Forest Labs bereits mit Mimic-Roboterhänden bei Audi. Im Interview erklärt Axel Sauer, der einer der führenden Forscher bei BFL ist, meinen Kolleginnen Luisa Bomke und Larissa Holzki, wie BFL trotz geringerer Ressourcen an der Spitze der Forschung bleibt –
und wie das Start-up Spitzenforschung und Unternehmensaufbau verbindet.
Anthropic räumt ein, dass sein KI-Modell Claude in Tests drei reale Unternehmen gehackt hat. Die Modelle konnten wegen Fehlkonfigurationen auf das Internet zugreifen, obwohl das Testszenario dies ausschloss. Anthropic entdeckte die Vorfälle erst nachträglich bei der Prüfung von rund 141.000 Testläufen. Der Fall verschärft die Debatte über KI-Sicherheit, nachdem bereits OpenAI ähnliche Cyber-Zwischenfälle gemeldet hat. Betroffen war unter anderem die KI-Plattform Hugging Face. Namhafte Unterstützer unterzeichneten einen Brief, in dem die
Drosselung von KI gefordert wurde. Mein Kollege Felix Holtermann zeigt, wie das bei Anthropic passieren konnte und warum selbst Sicherheitstests zum Risiko werden können.
Supercomputer Jupiter in Jülich: Neue Gigafactorys für Deutschland? (Foto: Oliver Berg/dpa)
Die EU hat die lange verzögerte Ausschreibung für ihre KI-Gigafactorys veröffentlicht. Interessenten können sich bis zum 12. November bewerben, Anfang 2027 soll die Entscheidung fallen. Mit bis zu sieben Superrechenzentren und 30 Milliarden Euro will Europa im KI-Wettlauf mit den USA und China aufholen. „Die Ausschreibung ist überfällig“, sagt Ionos-Technikchef Andreas Nauerz. Meine Kolleginnen und Kollegen Olga Scheer, Luisa Bomke, Christof Kerkmann und Daniel Delhaes zeigen, welche Hürden für Deutschland und Europa trotzdem bleiben und warum die
Fördersumme von 30 Milliarden größer klingt, als sie ist.
Chinas KI-Aufholjagd kann Europa in eine neue technologische Abhängigkeit treiben. Start-ups wie Moonshot, Deepseek, Zhipu und Alibaba rücken mit leistungsfähigen Modellen nah an die US-Spitze heran. Peking baut zugleich Stromversorgung, Chips, KI-Modelle und Industrie für verkörperte KI zu einem eigenen Tech-Stack aus. Für Europa wächst damit das Risiko, nach Rohstoffen und US-Technologie auch bei KI unter Druck zu geraten. Meine Kollegin Sabine Gusbeth analysiert, warum technologische Souveränität ihren Preis hat – und warum Europa ihn zahlen muss.
Peter Sloterdijk: Den Philosophen treiben die Schwäche der Demokratie und die Auswirkungen der KI-Revolution um. (Foto: Jonas Holthaus/Laif [M])
Peter Sloterdijk warnt vor einer KI-Welt der Engpässe und Machtpolitik und dem Ende des Liberalismus. Der Philosoph deutet die KI-Revolution im Handelsblatt-Interview als Teil einer neuen Machtordnung, in der selbst Tech-Konzerne unter Druck geraten können. Für die KI-Branche heißt das: Die Macher in Kalifornien müssen Machtpolitik lernen, nicht nur Disruption beherrschen. Meine Kollegen Hans-Jürgen Jakobs und Sven Prange haben für den Handelsblatt-Wochenendtitel mit Sloterdijk gesprochen und zeigen, warum der Philosoph in seinem Landhaus in der Provence von einer „Bottleneck-Wirtschaft“ spricht – und
weshalb die Tech-Elite Verlierer ihrer eigenen Dynamik werden könnte.
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Neue Folge von Handelsblatt Disrupt: Larissa Holzki spricht mit Humanoid-Chef Artem Sokolov. (Foto: PR/Handelsblatt [M])
Humanoid aus Großbritannien ist das nächste Robotik-Einhorn in Europa. Nach einer neuen Finanzierungsrunde wird die Firma von Gründer und CEO Artem Sokolov mit 1,35 Milliarden Dollar bewertet – und das bereits zwei Jahre nach der Gründung.
Warum das wichtig ist? Die Robotikbranche erfährt gerade einen gewaltigen Push: Laut dem Datenanbieter Dealbook sind dieses Jahr schon etwa neun Milliarden Dollar allein in die menschenähnlichen „Humanoiden“ geflossen. Im ganzen Jahr 2025 waren es weniger als fünf Milliarden Dollar. Bei Unternehmen wie Schaeffler, Bosch und Siemens sieht man die ersten Folgen: Dort werden Roboter von Humanoid bereits getestet.
Für diese Folge von Handelsblatt Disrupt hat Podcast-Host Larissa Holzki den Humanoid-Chef Artem Sokolov in Großbritannien getroffen. Sie fragt ihn, was genau seine Roboter in der Produktion deutscher Unternehmen schon machen, wie sie dazulernen – und wie viel Menschen es künftig noch braucht, um sie zu überwachen. Hören Sie doch mal rein!
Sie möchten sich den Podcast Handelsblatt Disrupt auf Ihrer bevorzugten Plattform anhören? Hier entlang zu Spotify und Apple.
Grafik der Woche
US-Bürger sehen China im Vorsprung beim KI-Wettrennen. Die chinesischen KI-Firmen holen auf. Das Modell Kimi K3 des chinesischen KI-Start-ups Moonshot AI konnte zuletzt die leistungsstärksten Modelle von Anthropic und OpenAI beim Programmieren schlagen.
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Das war das KI-Briefing Nummer 147.
Mitarbeit: Luisa Bomke, Lina Knees, Juraj Rosenberger (Grafik), Marc Schmidt (Produktion).
Die Text-Zusammenfassungen in diesem Briefing wurden mithilfe von KI erstellt und von uns als Autoren geprüft.
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