Wohin entwickelt sich Deutschlands Wirtschaft? (Foto: dpa (M))
Guten Morgen liebe Leserin, lieber Leser,
der Begriff „Nettoinvestitionsquote“ klingt im ersten Moment harmlos. Nach einer volkswirtschaftlichen Kennzahl aus dem Lehrbuch „Makroökonomie“ von Blanchard und Illing. Doch hinter dem Begriff verbirgt sich sehr viel mehr. Er erzählt von Abstiegsangst, von Zukunftssorgen und der strukturellen Krise, in der Deutschland steckt.
Denn die „Nettoinvestitionsquote“ beschreibt langfristige Ausgaben von Unternehmen für Sachanlagen wie Maschinen, Gebäude oder Fahrzeuge abzüglich ihrer Abschreibungen. Sie stellt also dar, ob Unternehmen über den Erhalt ihrer wirtschaftlichen Substanz hinaus in die Zukunft investieren.
Neue Daten, die mein Kollege Julian Olk einsehen konnte, zeigen jetzt: 2024 und 2025 waren die Abschreibungen größer als die Investitionen. Erstmals seit der Wiedervereinigung ist das volkswirtschaftliche Anlagevermögen also gesunken. Dabei zeigen sich deutliche regionale Unterschiede. Nach Bundesländern aufgeschlüsselt liegen die Daten bis 2023 vor und zeigen, dass etwa Thüringen, Bremen und NRW eine negative Investitionsquote aufweisen. Positiv ist die Quote in Bayern, Hessen und Berlin.
Da es für Investitionen sowohl eine gute wirtschaftliche Basis als auch den Glauben an eine erfolgreiche Zukunft braucht, kann eine negative Nettoinvestitionsquote durchaus als Warnhinweis für den Ist- und den Soll-Zustand des Landes verstanden werden.
Am Persischen Golf ist von einer Waffenruhe zwischen den USA, Israel und dem Iran nicht mehr viel zu sehen. Das bekommen vor allem die Vereinigten Arabischen Emirate zu spüren. Gestern war dort in einem Industriegebiet der Hafenstadt Fudschaira ein Großbrand ausgebrochen. Zuvor hatten sich die Spannungen in der vom Iran kontrollierten und von den USA blockierten Straße von Hormus wieder verschärft. US-Präsident Donald Trump drohte in einem Interview mit dem Sender Fox News, der Iran werde „von der Erde gefegt“, sollte er Schiffe angreifen, die im Rahmen der neuen US-Initiative zur Öffnung der Straße von Hormus im Einsatz seien.
Trump hatte am Sonntag den Start einer Initiative mit dem Titel „Projekt Freiheit“ angekündigt, die laut US-Angaben auf die Wiederherstellung der Schifffahrtsfreiheit in der Straße von Hormus abzielt. Eine freie Passage militärisch zu erzwingen, gilt allerdings auch für die stärkste Armee der Welt als schwierig bis unmöglich.
Der deutsche Strommarkt ist für mich ein durch und durch absurder Markt. Ich habe schon einige Stunden meines Lebens damit verbracht, ihn vollkommen verstehen zu wollen und bin am Ende doch immer wieder gescheitert. Meinen Eindruck bestätigte Anfang des Monats die Meldung, dass der Strompreis zwischenzeitlich auf Minus 499 Euro pro Megawattstunde gefallen war. Der Grund: Eine hohe Produktion durch Photovoltaik war auf die an einem Feiertag typischerweise geringe Nachfrage getroffen.
Und weil der Strommarkt solch ein absurder Markt ist, zahlten die Rechnung dafür am Ende die Steuerzahler. Denn schließlich, so habe ich gelernt, müssen diesen Negativpreis für produzierten Strom nicht die Produzenten begleichen, sondern über das sogenannte EEG-Konto am Ende wir alle.
Doch selbst am absurden Strommarkt greifen die regulären Mechanismen von Angebot und Nachfrage. Beide besser aufeinander abzustimmen – etwa durch Speichermöglichkeiten, Direktvermarktung oder eine höhere Stromnutzung der Industrie – könnte das Problem lösen. Die Zeit drängt, denn die Phasen mit negativen Strompreisen mehren sich durch den Ausbau erneuerbarer Energien in letzter Zeit stark. Ein entsprechender Gesetzentwurf befindet sich in der Ressortabstimmung und soll am 20. Mai im Kabinett beschlossen werden.
Batteriespeicherstation von Sungrow (Foto: IMAGO/Joerg Boethling)
Die EU fürchtet den Blackout
Apropos Strommarkt – die Europäische Union möchte selbigen vor Manipulationen schützen und beendet deshalb ab sofort die Vergabe von europäischen Fördermitteln an Projekte, die Wechselrichter aus Hochrisikoländern beziehen. Dazu zählen etwa China, Russland, Nordkorea und der Iran. Wechselrichter gelten als „Gehirne der Solaranlage“, denn sie überwachen die Anlage und das Netz, übermitteln Daten, optimieren die Leistung und wandeln Gleichstrom in nutzbaren Wechselstrom um.
Die Angst der EU: Durch ein Update der Wechselrichter-Software wäre es technisch möglich, Millionen der Geräte zur gleichen Zeit ein- und auszuschalten. Das könnte zu Stromschwankungen und möglicherweise einem großflächigen Blackout führen. Faktisch trifft das Verbot vor allem chinesische Hersteller. Rund 80 Prozent der in der EU verbauten Wechselrichter stammen nach Angaben der EU-Kommission aus der Volksrepublik.
Google-Cloud-Chef Thomas Kurian (Foto: Bloomberg (M))
Googles Aufholjagd führt über Apple
Google ist schon lange so viel mehr als nur eine Suchmaschine. Das Unternehmen liefert unter anderem ein Betriebssystem, einen Browser, Apps, Videoplattformen, ein E-Mail-System und einen Sprachassistenten. In einer wichtigen Technologiesparte allerdings war das Unternehmen aus Kalifornien ein Spätzünder: beim Geschäft mit der Cloud. Dabei bietet der Dienst, Daten für Kunden im Internet zu speichern, besonders hohe Margen. Deshalb ist es auch kein Wunder, dass Googles Cloud-Chef Thomas Kurian jetzt entschieden zur Konkurrenz aufschließen will. Rückenwind liefern vor allem Googles Künstliche Intelligenz Gemini sowie die Vermietung eigener KI-Chips.
Im Interview mit meinem Kollegen Philipp Alvares de Souza Soares, Handelsblatt Korrespondent im Silicon Valley, erklärt Kurian, wie die Aufholjagd gelingen soll. Ein wichtiger Coup ist ihm bereits gelungen: Googles Gemini-Modelle und Cloud-Dienste sollen künftig die Grundlage für Funktionen von „Apple Intelligence“ bilden, insbesondere für die lange erwartete – und mehrfach verschobene – Generalüberholung der Sprachassistentin Siri.
Bebop geht von Bord. (Foto: Elite Event Robotics/Instagram)
Ein Passagier mit Batterieproblemen
Zum Abschluss bleiben wir noch kurz in Kalifornien, wo ein ungewöhnlicher Passagier für die Verspätung eines Fluges gesorgt hat. Wie der US-Sender ABC berichtete, wurde der Reisende an Bord nicht zugelassen, da er nicht den geltenden Batterievorschriften entsprach. Bei dem ein Meter zwanzig großen und rund 31 Kilo schweren Passagier handelte sich um den Roboter Bebop, der sich gemeinsam mit seinem Besitzer auf einer Geschäftsreise durch das Land befand. Obwohl Bebop ein gültiges Flugticket besaß, musste er seine Batterie schließlich am Flughafen zurücklassen.
Ich gehe davon aus, dass wir in Zukunft öfter Roboter sehen werden, die mit Flugzeugen fliegen. Ich persönlich hätte da nichts gegen. Im Gegensatz zu manchen menschlichen Passagieren stelle ich mir einen Sitznachbarn wie Bebop recht angenehm vor. Ich glaube nicht, dass er anfängt zu schnarchen, nach Zigarettenrauch stinkt oder Tomatensaft über meine Hose schüttet.
Ich wünsche Ihnen einen guten Tag, an dem Sie energiegeladen an Ihr Ziel kommen.
Es grüßt Sie herzlich
Ihre Teresa Stiens Autorin Handelsblatt
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