Porsche-Sportwagen am Hamburger Hafen (Foto: IMAGO/Joerg Boethling)
Guten Morgen liebe Leserin, lieber Leser,
US-Präsident Donald Trump hat in seinem politischen Waffenarsenal mal wieder zu den Zolldrohungen gegriffen. Die Zölle auf Pkw und Lkw, die aus der EU in die USA eingeführt werden, sollen kurzfristig von derzeit 15 auf 25 Prozent steigen. Hinter der neuen Abgabentirade vermuten EU-Diplomaten eine Vendetta gegen Bundeskanzler Friedrich Merz wegen dessen Kritik an der fehlenden US-Strategie im Krieg gegen den Iran. Trump zerschmettert mit seiner neuerlichen Ankündigung nicht nur den Glauben an eine dauerhafte Waffenruhe im Zollkrieg, sondern auch die Appeasement-Politik der Europäischen Union.
Zuletzt hatte die Strategie in Brüssel gelautet, Trump mehr oder weniger kampflos zu geben, was er handelspolitisch forderte. Jetzt lautet die Strategie, einfach erstmal abzuwarten. Einige EU-Diplomaten, mit denen mein Kollege Jakob Hanke Vela gesprochen hat, drücken die Hoffnung aus, der US-Präsident könne es vielleicht nicht so meinen. Trump habe in der Vergangenheit wiederholt mit drastischen Maßnahmen gedroht, sie später jedoch zurückgenommen – auch dieses Mal könne es sich um einen „Bluff“ handeln. Ob man in Brüssel besonders gut im Pokern ist, lässt sich nach den Verhandlungsrunden des vergangenen Jahres allerdings bezweifeln.
Sollte die Strategie „Hoffen, dass er es nicht tut“ nicht funktionieren, drohen der deutschen Autoindustrie schwere Schäden. Julian Hinz, Handelsexperte beim Institut für Weltwirtschaft, schätzt:
Kurzfristig werden Produktionsverluste auf fast 15 Milliarden Euro geschätzt, die langfristig auf etwa 30 Milliarden Euro ansteigen würden.
Die höheren Zölle könnten das ohnehin schwache Wirtschaftswachstum in Deutschland weiter nach unten drücken.
Donald Trump und Friedrich Merz (Foto: Guido Bergmann/Presse- und Infor)
Kann Friedrich Merz britischen Humor?
Neben Zöllen nutzt Trump vor allem sein Militär, um seine Interessen auf der globalen Bühne durchzusetzen. Während es für viele Staaten eine Drohung ist, die US-Armee vorbeizuschicken, ist es für Deutschland eine Drohung, sie wieder abzuziehen. Mehr als 5000 US-Soldaten will der Präsident nach Hause holen. Außerdem denkt er darüber nach, die Stationierung von US-Marschflugkörpern in Deutschland zu verwerfen, die offiziell der Abschreckung Russlands dienen sollten.
Handelsblatt-Chefreporter Jens Münchrath kommentiert, dass niemand wisse, was davon Theater und was ernstzunehmende Politik sei. Genau darin vermutet er allerdings auch Trumps Kalkül. Für besonders gefährlich hält mein Kollege die Tatsache, dass auch Friedrich Merz zu „präpotenter Kraftmeierei“ neige – wenn auch in homöopathischen Dosen. Als Beispiel für einen guten Umgang mit Trump nennt er den englischen König Charles mit seiner Wahrhaftigkeit und seinem britischen Humor. Ich persönlich bin mir allerdings nicht sicher, ob man dem deutschen Bundeskanzler letzteres noch schnell genug beibringen könnte.
VW-Werk in Zwickau (Foto: Oliver Killig/Volkswagen AG)
Volkswagen hat ein Kostenproblem
Neue höhere Importzölle für den US-Markt kann Volkswagen in Wolfsburg gerade gar nicht gebrauchen. Denn dort wird schon seit geraumer Zeit die Debatte geführt, ob die Nachfrage nach Autos nicht zu gering ist, um die Kapazitäten einiger Werke zu rechtfertigen. Schließlich bedeuten zu hohe Kapazitäten wiederum durchschnittlich höhere Kosten pro Auto. Denn viele Fixkosten bleiben gleich – egal, wie viele Volkswagen vom Band rollen.
Mein Kollege Lazar Backovic konnte in der Causa jetzt neue Zahlen einsehen. Sie zeigen, dass ausgerechnet jene Fabriken, die konzernintern bereits als besonders kostspielig gelten, schwach ins Jahr 2026 gestartet sind. Demnach ist der Output in den VW-Werken Emden und Zwickau in den ersten beiden Monaten des Jahres spürbar zurückgegangen. Entscheidend für die Performance der Werke sind die sogenannten Fabrikkosten, also die reinen Produktionskosten ohne Material. Diese liegen im VW-Konzern europaweit bei mehr als 4000 Euro pro Fahrzeug – und damit deutlich über dem Niveau wichtiger Wettbewerber.
Die deutsche Volkswirtschaft spürt schon länger den Atem Indiens im Nacken. Laut einem Bericht der indischen Regierung sah sich das südasiatische Schwellenland vor einigen Monaten weltwirtschaftlich an Platz vier vor Japan – und kurz davor, auch Deutschland zu überholen. Es werde erwartet, dass Indien in den nächsten zweieinhalb bis drei Jahren auf Rang drei liegen werde, hieß es seitens der Regierung. Doch neue Daten des Internationalen Währungsfonds dämpfen jetzt Indiens Hoffnung, in Kürze zur ökonomischen Weltspitze aufzuschließen.
Laut den Berechnungen ist das Land im vergangenen Jahr nicht aufgestiegen, sondern zurückgefallen und liegt jetzt sogar wieder hinter seiner ehemaligen Kolonialmacht Großbritannien. Handelsblatt Südasienkorrespondent Mathias Peer hat sich die Gründe für Indiens enttäuschende Entwicklung angeschaut. Er beschäftigt sich mit Währungsmechanismen, mit Kapitalflüssen, Energieimporten und dem Klimawandel. Wenn Sie sich für die wirtschaftliche Entwicklung Asiens interessieren, kann ich Ihnen die Analyse nur ans Herz legen.
Unicredit-Chef Andrea Orcel (Foto: Gettz/IMAGO/greatif (M))
Selbst die Unicredit zweifelt leise
Es gilt als offenes Geheimnis, dass die italienische Unicredit die deutsche Commerzbank gerne übernehmen würde. In den Mailänder Führungsetagen orientiert man sich dabei gerne an Goethes Erlkönig: Bist du nicht willig, so brauche ich Gewalt. Trotz Gegenwehr aus Deutschland will die italienische Großbank die Übernahme vorantreiben. Jetzt allerdings warnt die Unicredit in einem „Informationsdokument“ zu ihrer außerordentlichen Hauptversammlung selbst vor den Gefahren einer Übernahme der „Coba“.
Als Risikofaktoren werden darin der Verlust von wichtigen Kunden und Beschäftigten der Commerzbank genauso wie der Widerstand von Minderheitsaktionären genannt. Das Dokument ist bereits seit Karfreitag online verfügbar und mein Kollege ist im Gegensatz zu vielen anderen Branchenbeobachtern jetzt auf die gute Idee gekommen, es einfach mal zu lesen.
Alexander Kühnen: Bahlsen-CEO (Foto: Michael Matthey/dpa)
Wenn Kekse endlich sexy werden
Zum Abschluss werfen wir noch einen Blick nach Hannover auf den Kekshersteller Bahlsen. Als Schokolade vor einiger Zeit deutlich teurer geworden war, hatte das Unternehmen die Preissteigerung an die Kunden weitergereicht. Jetzt denkt Firmenchef Alexander Kühnen im Interview mit der Deutschen Presse-Agentur laut darüber nach, ob die Produkte nicht in Zukunft wieder günstiger werden könnten.
Abgeschlossen ist Kühnens Denkprozess bei diesem Thema offenbar noch nicht. Ein anderes Ziel hat er aber schon jetzt klar ausgerufen: Bahlsen soll bei jungen Leuten wieder „richtig sexy“ werden.
Ich bin gespannt, ob das klappt und freue mich schon auf die neue Redewendung „sexy wie ein Bahlsenkeks“.
Ich wünsche Ihnen einen knackigen Start in den Tag.
Herzliche Grüße
Ihre Teresa Stiens Autorin Handelsblatt
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