Deutsche, die nach Polen auswandern | Ist Dummheit gut? | Selbstversuch mit „Alternativmedien“
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Samstag, 19.09.2026
Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
es ist dieser Tage nicht ganz klar, wovor man am meisten Angst haben sollte. Ist es die KI, die uns bis 2030 angeblich alle umbringen kann? Die Arbeitsmarktkrise? Russland? Die AfD?
Angesichts all dieser Bedrohungen stelle ich an mir langsam eine Art Gefühlstaubheit fest. Ich spüre diesbezüglich, nun ja … so gut wie nichts mehr. Psychologisch ist das gut erklärbar. Wer Krisen in Dauerschleife erlebt, stumpft mehr und mehr ab. Was wäre auch die Alternative? Dauerhaft im Alarmmodus verharren? Nein, danke.
Dasselbe passierte den Menschen schon im 19. Jahrhundert, im Zeitalter des Biedermeiers. Angesichts eines autoritären, antidemokratischen Herrschaftssystems konzentrierten sich in Europa damals viele Bürgerinnen und Bürger auf ihren eigenen Mikrokosmos. Sie gründeten Familien, pflegten hingebungsvoll ihr Eigenheim, malten Bilder einer heilen Welt. Sie machten es sich gemütlich, fernab der unkontrollierbaren politischen Bedrohungen.
Eines der beliebtesten Möbelstücke dieser Zeit ist passenderweise der Ohrensessel. Perfekt, um sich abzuschotten und in warmer, ignoranter Wohligkeit zu versinken.
So verständlich dieser Reflex ist: Ich glaube nicht, dass ein „Biedermeier 2.0“ uns heute helfen würde. Besser wäre es, wir entdeckten unsere Selbstwirksamkeit wieder – konzentrierten uns also auf das, was wir aus eigener Kraft bewegen können.
Ganz konkret heißt das: schwere Entscheidungen treffen und auch bei Kritik dazu stehen. Nicht nur über die lästigen Seiten des Jobs jammern, sondern unbeliebte Aufgaben selbst übernehmen. Einschreiten, wenn der Kollege einen rassistischen Witz reißt. Sich an ein Ehrenamt trauen.
Unsere Ängste werden sich dadurch nicht in Luft auflösen. Aber wir setzen ihnen etwas entgegen, im Rahmen unserer ganz persönlichen Möglichkeiten.
Ob uns das am Ende rettet? Keine Ahnung. Besser als im Ohrensessel sitzen zu bleiben, ist es allemal.
Ein kleines Zeichen der Selbstwirksamkeit können Sie übrigens gleich hier und jetzt setzen. Und zwar, wenn Sie mir per E-Mail Feedback oder Anregungen zu diesem Newsletter mitgeben möchten. Ich freue mich über jede Leser-Mail, die mich erreicht.
Ich wünsche Ihnen ein Wochenende voller Tatendrang.
Herzliche Grüße
Ihre
Julia Beil
Stv. Ressortleiterin Wochenende & Report
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