Der Chipriese will Hugging Face übernehmen │ Die Bewusstseinsfrage der KI │ Roboterweltmeisterschaften in China
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Freitag, 28.08.2026
Luisa Bomke
Lesezeit: 10 Minuten
Wenn Sie nur wenig Zeit haben,
liebe Leserinnen und Leser,
dann sollten Sie sich mit der möglichen Übernahme der französischen KI-Plattform Hugging Face durch Nvidia beschäftigen. Nach übereinstimmenden Medienberichten haben sich die beiden Firmen auf eine Vereinbarung verständigt.
Nvidia fischt mit der Hugging-Face-Übernahme weiter in den offenen Modell-Meeren. (Optik: Luisa Bomke / GPT Imagen 2)
Warum das wichtig ist: Kommt die Übernahme zustande, ginge die wichtigste Plattform für KI-Entwickler und deren Arbeit mit Open-Source-KI-Modellen in den Besitz von Nvidia über. Dadurch könnte der Chiphersteller seinen Einfluss im Software- und Modellökosystem weiter ausbauen und außerdem seine Position in der gesamten KI-Infrastruktur stärken.
Hugging Face bietet Entwicklern nicht nur Rechenkapazität und Speicherplatz. Das Unternehmen entwickelt seit Jahren auch eigene, frei nutz- und anpassbare Sprach- und Robotikmodelle. Davon konnte ich mich vor zwei Jahren bei einem Interview mit Co-Gründer Thomas Wolf und beim Besuch des Pariser Büros selbst überzeugen.
Handelsblatt-Reporterin Luisa Bomke und Hugging-Face-Co-Gründer Thomas Wolf im Innovationszentrum „Station F“ in Paris. (Foto: Luisa Bomke)
Schon Ende vergangenen Jahres soll Hugging Face ein Angebot von Nvidia erhalten haben. Doch laut der „Financial Times“ soll das Start-up damals das Investitionsangebot von 500 Millionen Dollar abgelehnt haben, das Hugging Face mit sieben Milliarden Dollar bewertet hätte.
Warum aber stimmt Hugging Face jetzt dem Kauf zu, und weshalb ist die Plattform für Nvidia so interessant?
Wie die Hugging-Face-Gründer Clem Delangue, Thomas Wolf und Julien Chaumond Anfang des Jahres erklärten, wollten sie nicht, dass ein Investor so viel Macht über die Firma erlangt. Eine vollständige Übernahme schlossen sie aber nie aus. In der Vergangenheit sagten sie auf Nachfrage, dass verschiedene Unternehmen regelmäßig Interesse geäußert hätten.
Der Verkauf könnte den Wert von Hugging Face erheblich steigern: In seiner letzten Finanzierungsrunde im Jahr 2023 sammelte das Start-up 235 Millionen US-Dollar ein und wurde mit 4,5 Milliarden US-Dollar bewertet. Auch an dieser Runde war Nvidia bereits beteiligt.
Mit 13 Milliarden Dollar wäre der Verkauf für die Hugging-Face-Gründer, die die Firma 2016 geschaffen haben, ein großer Erfolg, vor allem weil der jährlich wiederkehrende Umsatz bei gerade einmal 150 Millionen US-Dollar liegen soll.
Für Nvidia geht es darum, die eigene Vormachtstellung bei KI-Chips zu sichern, die zunehmend gefährdet erscheint. Zudem passt Hugging Face zur Softwarestrategie des Konzerns: Nvidia entwickelt mit der Nemotron-Reihe eigene, frei zugängliche Modelle und arbeitet mit Open-Source-orientierten Start-ups zusammen wie Black Forest Labs und Prior Labs aus Deutschland.
„Wenn wir die Entwicklungsplattform verbessern, stärkt das unser gesamtes Unternehmen“, sagte Kari Briski, bei Nvidia verantwortlich für KI-Software, vor einigen Wochen im Gespräch mit dem Handelsblatt. Je einfacher und kostengünstiger Entwickler Modelle trainieren könnten, desto mehr Anwendungsfälle würden sie finden – und desto mehr Rechenkapazität würden sie nutzen.
Nahezu alle großen US-Technologiekonzerne wie Google, Anthropic, Amazon, Meta und Microsoft entwickeln derzeit eigene KI-Chips, um ihre Abhängigkeit von Nvidia zu reduzieren. Mein Kollege Joachim Hofer erklärt, wie Nvidia zusätzlich durch maßgeschneiderte KI-Chips unter Druck gerät. Diese könnten bereits 2028 erstmals ausgeliefert werden, ist das britische Marktforschungsunternehmen Omdia überzeugt.
Nvidia-Chef Jensen Huang: Der Chip-Konzern wächst weiterhin deutlich. (Foto: Bloomberg)
Auch deshalb hatte Nvidia in letzter Zeit eine Reihe großer Deals abgeschlossen: den Kauf des Großteils des US-Chipentwicklers Groq für rund 20 Milliarden Dollar sowie eine Lizenzvereinbarung mit dem amerikanischen KI-Start-up Poolside für rund sechs Milliarden Dollar.
Der Hugging-Face-Deal würde Nvidia auch eine Rückkehr ins Cloud-Computing ermöglichen. Berichten zufolge hatte Nvidia sein eigenes Cloud-Geschäft, DGX Cloud, vor einiger Zeit zurückgefahren. „The Information“ zufolge könnte Nvidia mit Hugging Face in den Markt zurückkehren, ohne bei null anfangen zu müssen.
Geld für die Übernahme hat Nvidia ausreichend. Im abgelaufenen Quartal steigerte der Konzern seinen Umsatz und seinen Gewinn erneut überraschend deutlich: Der Umsatz stieg auf gut 96 Milliarden Dollar. Nach der Veröffentlichung der Geschäftszahlen am Mittwoch gewann die Aktie nachbörslich mehr als fünf Prozent.
Für Europa wäre die Übernahme ein erneuter Verlust an Unabhängigkeit. Nicht nur, weil mit Hugging Face das nächste Start-up mit europäischen Gründern ganz in amerikanische Hände fiele, sondern auch, weil die wichtigste Plattform für Open-Source-Modelle an einen Chipkonzern ginge. Marktbeobachter fürchten, dass Hugging Face seine Anbieterneutralität verlieren könnte.
Bisher unterstützte die Plattform sowohl Modelle und Beschleuniger-Hardware von Nvidia, als auch von Konkurrenten wie AMD und Intel. Übernimmt Nvidia Hugging Face, fürchten Marktbeobachter Interessenkonflikte.
Eine inspirierende Lektüre wünscht Ihnen Luisa Bomke
KI-Reporterin
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Linas Labor
Lina Knees ist Handelsblatt-KI-Reporterin und Daten-Journalistin. (Optik: Michel Becker)
Kann KI ein Bewusstsein haben? Wohl kaum eine Frage hat mich in den vergangenen Jahren mehr fasziniert. In dieser Woche habe ich mich mit drei Philosophieprofessoren zusammengesetzt, um sie endlich zu klären. Dabei habe ich etwas Wichtiges gelernt: Die Antwort auf die Bewusstseinsfrage ist komplex. Die Frage an sich aber ziemlich dumm.
Was dahintersteckt: Ich bin offenbar nicht die Einzige, die von einer potenziell bewussten KI fasziniert ist. Thomas Metzinger, der sich seit den 1980er-Jahren mit der Frage beschäftigt, ob Maschinen bewusst werden könnten, sagte mir: „Mein Postfach ist voll von Leuten, die glauben, ihr Chatbot habe Bewusstsein erlangt.“
Nicht nur KI-Nutzer, auch Tech-Bosse und Philosophen fangen zunehmend an, zu zweifeln, ob KI nicht doch ein Bewusstsein entwickeln könnte. Deshalb müssen unsere Fragen zu dem Thema genauer werden.
Denn was Bewusstsein ist, ist bis heute nicht abschließend geklärt. Und jeder meint damit etwas anderes. Nach Aussage von Beate Krickel, Philosophieprofessorin an der Technischen Universität Berlin, gibt es 15 verschiedene Bewusstseinsbegriffe, die wir unterscheiden können. Bewusstsein könnte für manche einfach heißen, wach zu sein, statt im Koma zu liegen; oder die Reize unserer Umwelt wahrnehmen zu können; interne Zustände, wie Hunger oder Schmerz, zu fühlen – oder das besondere Gefühl wahrzunehmen, ein „Ich“ zu sein.
Deshalb ist die Frage nach dem Bewusstsein keine, die wir einfach mit ‚Ja‘ oder ‚Nein‘ beantworten können. Krickel schlägt daher vor, erst einmal zu fragen, warum einen das überhaupt interessiert. Denn daraus ergeben sich ihrer Erfahrung nach die schlaueren Fragen.
Vielleicht möchte ich einfach wissen, ob Gespräche mit meinem KI-Chatbot für mich persönlich wertvoll sind. Dann ist die Frage vielleicht eher: Kann man mit einer Maschine auch befreundet sein? Geht es darum, einem Roboter oder einem KI-Agenten Schmerz zu ersparen? Dann fragen wir spezifisch danach, ob KI auch Leid und Schmerz fühlen kann.
Oder haben wir ein wissenschaftliches Interesse daran, ein fühlendes Wesen zu erschaffen, das seine eigenen Erfahrungen macht? Dann könnten wir danach fragen, ob KI ein subjektives Empfinden und ein Langzeitgedächtnis hat.
Das Fazit lautet: Die Bewusstseinsfrage hat viele Facetten und wird je nach Debatte unterschiedlich abgesteckt. Wenn wir nicht klar definieren, welche Bewusstseinsbegriffe wir meinen und was daraus folgt, reden wir aneinander vorbei.
In einem in dieser Woche erschienenen Artikel habe ich zusammen mit Metzinger, Krickel und Tobias Schlicht, Philosophieprofessor an der Ruhr-Universität Bochum, diskutiert, ob KI fühlen und denken könnte wie wir und warum diese Debatte auch gefährlich werden könnte.
In der Rubrik „Linas Labor“ stellt KI-Reporterin Lina Knees wöchentlich einen zentralen Begriff, eine wegweisende Studie oder ein neues KI-Werkzeug vor.
Was Sie sonst noch wissen sollten
Kanzler Friedrich Merz bei der Kabinettsklausur. (Foto: Getty Images)
Friedrich Merz will Deutschland mit KI und Innovationen aus der Wachstumsschwäche führen. Bei der Kabinettsklausur in Neuhardenberg in Brandenburg wollte die Koalition Reformen für Wettbewerbsfähigkeit, Industrie und Start-ups vorantreiben. Merz lud Siemens-Chef Roland Busch, Cohere-CEO Aidan Gomez und Investorin Judith Dada dorthin ein. Aus Regierungskreisen hieß es, der Austausch sei ein „Wake-up-Call“ gewesen: Deutschland müsse globaler denken, um nicht von den USA und China abhängig zu werden. Meine Kolleginnen Leila Al-Serori und Barbara Gillmann haben sich angesehen,
wie groß der Druck aus Wirtschaft, Industrie und Umfragen inzwischen ist.
Zhipu veröffentlicht ein Modell, das vollständig auf chinesischen KI-Chips laufen soll. Das chinesische KI-Start-up bekannte sich zu dem Modell, das zunächst anonym auf der Plattform Open Router veröffentlicht wurde. Binnen weniger Tage stieg es dort an die Spitze der Nutzercharts einer internationalen Plattform. Zhipu kostet nur 0,15 Dollar je Million Eingabe-Token und 0,50 Dollar je Million Ausgabe-Token und unterbietet die Konkurrenzmodelle im Preis deutlich. Meine Kollegin Sabine Gusbeth beschreibt,
warum das Modell für Chinas KI-Strategie so wichtig ist. PS: Der CEO von Ziphu AI, Zhang Peng, wurde jetzt auf die Liste „Time100 AI 2026“ gewählt, mit der das Time Magazin jedes Jahr die einflussreichsten Menschen im KI-Bereich kürt.
Roboter-Weltmeisterschaft in Peking. (Foto: IMAGO/Xinhua)
Chinas humanoide Roboter zeigen Kunststücke, sind aber noch nicht bereit für Fabriken und Haushalte. Die meisten Roboter laufen vorprogrammiert oder ferngesteuert; bei kleinen Änderungen von Objekt oder Umgebung scheitern sie. Trotzdem will Peking sie kommerziell nutzbar machen: Bis zum Jahresende sollen mehr als 10.000 humanoide Roboter großflächig einsatzbereit sein. China bringt in humanoiden Robotern offene KI-Modelle mit seiner Fertigungsstärke zusammen. Meine Kollegin Sabine Gusbeth zeigt, wie Roboter-KI in das Zentrum des globalen Technologiewettbewerbs rückt.
KI-Router werden zur neuen Machtinstanz in der KI-Wirtschaft. Unternehmen setzen die Technologie zunehmend ein, um steigende KI-Ausgaben zu senken. Bei Bayer verursachen einzelne Mitarbeiter bereits mehr als 5000 Euro KI-Kosten im Monat. Diese Router wägen Kosten, Leistung und Nutzen eines Modells ab und wählen für jede Aufgabe die passende KI aus. Meine Kollegen Felix Holtermann, Stephan Scheuer und ich analysieren, warum Nvidia, die US-Analyse-Plattform Databricks und Start-ups wie Kauz AI um diese Schaltstelle konkurrieren und was das für Datensicherheit und die Macht der Kunden bedeutet.
Unternehmen testen KI-Modelle, um stark schwankende Rohstoffpreise besser vorherzusagen. Anbieter wie Datasphere Analytics werten dafür Preisreihen und Nachrichten aus, etwa zu Streiks, Konjunktur oder Lieferkettenrisiken. Doch Fachleute warnen: KI erkennt Muster, scheitert aber oft an unerwarteten Ereignissen wie Pandemien oder geopolitischen Krisen. Judith Henke hat sich angesehen, wie Unternehmen wie Kamps, Cargill und das Forschungsinstitut Fraunhofer KI-Prognosen nutzen – und wo deren Grenzen liegen.
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier beim Rundgang über die Gamescom in Köln am Nintendo-Messestand. (Foto: Wolf von Dewitz/dpa)
Deutschlands Gamingbranche setzt auf KI, um im weltgrößten Entertainment-Markt aufzuholen. KI entlastet kleine Entwicklerteams beim Coden, bei 3D-Modellen, Übersetzungen und Marketing.
Doch der Einsatz bleibt ein Balanceakt: Effizienzgewinne treffen auf Jobverluste und Sorgen um Nachwuchs. Der Bund stellt 2026 und 2027 je 120 Millionen Euro Fördermittel bereit. Mein Kollege Alexander Möthe war auf der Gamescom unterwegs. Er und meine Kollegin Lina Knees haben mit Experten darüber gesprochen, warum KI für Studios Chance und Risiko zugleich ist.
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Disrupt-Host Larissa Holzki, Synthesia-Chef Victor Riparbelli. (Foto: PR)
Die Londoner Firma Synthesia will mit ihrer Technologie verändern, wie Unternehmen ihr Wissen weitergeben. Schon heute erstellen Konzerne wie SAP und Merck mit der KI des Start-ups Schulungsvideos und digitale Klone – die künftig auch interaktiv mit Mitarbeitenden reden sollen.
Warum das wichtig ist? Ein Großteil des Unternehmenswissens steckt heute in Texten, die laut Synthesia-Chef Victor Riparbelli kaum jemand liest. Er hält KI-Videos für den besseren Weg, um Wissen zugänglich zu machen – und sieht seine Technologie schon als Nachfolger von Powerpoint. Er sagt: „Bald wird jeder interaktive Agenten bauen.“
Podcast-Host Larissa Holzki diskutiert in dieser Folge von Handelsblatt Disrupt mit Riparbelli die steile These, ob Text völlig verschwinden könnte. Sie sprechen darüber, warum AI Slop (KI-Müll) für immer mehr Unternehmen zum Problem wird. Und sie werfen einen Blick auf das KI-Rennen mit China.
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Grafik der Woche
Meta ist nicht mehr ganz so flüssig. Den Eindruck bekommt man, wenn man in die Bilanz von Meta schaut. Bis vor Kurzem war Meta eine der wesentlichen Cash-Maschinen des Silicon Valley. 8,5 Milliarden Dollar freien Mittelzufluss zählte der Konzern allein im zweiten Quartal 2025. Ein Jahr später sind davon gerade noch 784 Millionen übrig. Gleichzeitig stiegen die Anleiheschulden binnen sechs Monaten von 59 auf 84 Milliarden Dollar, nicht kündbare Vertragsverpflichtungen von 131 auf 349 Milliarden Dollar.
Für ein Riesenrechenzentrum von mehr als vier Quadratkilometern Größe sammelt Meta mit Blackrock nun frisches Geld am Anleihemarkt ein. Mein Kollege Philipp Alvares hat sich angeschaut, wie Meta an die Grenzen der Bilanzierungsregeln geht, um die Verbindlichkeiten aus den Konzernbüchern zu halten.
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Das war das KI-Briefing Nummer 151.
Mitarbeit: Lina Knees, Juraj Rosenberger (Grafik), Valeria Kachurovskaya (Produktion).
Die Text-Zusammenfassungen in diesem Briefing wurden mithilfe von KI erstellt und von uns als Autoren geprüft.
Vielen Dank für das Lesen unserer heutigen Ausgabe!
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