Ein Kultlikör | Ein Kultmoped | Der Kult um Amazons Erfolgsprinzipien
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Samstag, 26.09.2026
Guten Morgen, liebe Leserin, lieber Leser,
ein Mensch spricht im Laufe eines Tages etwa 16.000 Wörter. Vorausgesetzt, er spricht nicht im Schlaf, resultiert das in etwa 17 Wörtern pro Minute.
Beim Reden sollte es allerdings nicht auf die Menge ankommen, sondern auf das, was man zu sagen hat. Wie anders erklärte sich sonst das Bonmot „Reden ist Silber, Schweigen ist Gold“? Die Tatsache, dass wir 17 Wörter pro Minute sprechen, bedeutet denn im Umkehrschluss auch, dass wir relativ viel Zeit am Tag mit Schweigen verbringen.
Im Berufsleben wird leider häufig an der falschen Stelle geschwiegen – oder auch an der falschen Stelle geredet. Hier gewinnt man zuweilen den Eindruck, mehr ist mehr. Oft wird geredet um des Redens willen, um sich selbst darzustellen, Zustimmung zu signalisieren oder einfach nur, um das, was schon sechs Vorredner gesagt haben, zu wiederholen.
So ziehen sich Meetings in die Länge, werden ineffizient – und kosten die deutsche Wirtschaft letztlich Milliarden.
Den Kanzler könnte es sogar den Kopf kosten, dass er das ein oder andere unüberlegte Wort zu viel gesprochen hat. Er hätte vielleicht lieber schweigen oder vorher länger nachdenken sollen. „Es ist besser zu schweigen und als Idiot verdächtigt zu werden, als zu reden und dadurch alle Zweifel zu beseitigen“, sagte schon Abraham Lincoln, 16. Präsident der USA. Ob der 47. Präsident über diese Erkenntnis schon mal nachgedacht hat?
Die Kartäusermönche aus einem Kloster nahe Grenoble müssen sich mit derartigen Überlegungen nicht herumschlagen. Sie schweigen um des Schweigens willen. Dabei hätten sie durchaus etwas zu erzählen. Zum Beispiel über ihre geheime Rezeptur für einen Kultlikör, der es sogar bis nach Hollywood geschafft hat.
Ich denke bei Hollywood und Schweigen immer an den Animationsfilm Madagascar. Meine Lieblingsfiguren sind die vier Pinguine. Als dort die aus dem New Yorker Zoo geflohenen Tiere letztlich versuchen, mit dem Schiff von Madagaskar zurück in ihre Heimat zu fahren, sitzen die vier mit ihnen angereisten Pinguine am Strand und haben einen entscheidenden Wissensvorsprung – den sie aber für sich behalten. „Vielleicht sollten wir ihnen sagen, dass der Kahn keinen Sprit mehr hat“, fragt der eine. „Nö, stur lächeln und winken“, sagt der Anführer. „Lächeln und winken.“
Ihnen wünsche ich ein Wochenende, an dem keine wichtigen Informationen an Ihnen vorbeigehen.
Das Leben der Mönche des Kartäuserordens in Aiguenoire ist ohne Worte, dafür aber mit Alkohol. Ihr Tag beginnt um 23.30 Uhr. Sie schweigen, beten – und destillieren einen Kräuterlikör. Wie sie es geschafft haben, ihr Kultgetränk über Jahrhunderte hinweg erfolgreich zu vermarkten, hat Thorsten Firlus bei einem Besuch in Frankreich recherchiert.
39 Millionen Menschen in Deutschland tragen eine Brille. Also fast jeder Zweite. Das Kundenpotenzial ist groß. Damit Fielmann, Deutschlands größte Optikerkette, mehr Kunden bedienen kann, setzt das Unternehmen zunehmend auf digitale Tools. Das soll die Kundenzufriedenheit erhöhen – und manchmal sogar Leben retten. Katrin Terpitz hat den Test gemacht.
Der Informatiker Yoshua Bengio hat grundlegende Forschungsarbeit zum Thema Deep Learning geleistet – und dafür 2018 den Turing-Preis erhalten, den „Nobelpreis der Informatik“. Seit Jahren jedoch warnt er schon vor den Risiken der KI, die er selbst mit erschaffen hat. Larissa Holzki hat mit ihm über die Gefahren gesprochen – und darüber, was er dagegen tun will.
Als Arbeitsdirektorin verantwortete Filiz Albrecht gut zwei Jahre lang bei Bosch die Personalpolitik für mehr als 400.000 Beschäftigte weltweit. Sie war damals die erste Frau in der Geschäftsführung des Automobilzulieferers. Was hat sie dabei über Führung und Macht gelernt? Und warum zweifelt die Topmanagerin heute am Leistungsprinzip? Benjamin Ansari hat sie besucht.
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Unternehmensgründer Jeff Bezos hat es geschafft, mit einer zuweilen an eine Sekte erinnernden Managementphilosophie innerhalb von gut 30 Jahren einen der wertvollsten Konzerne der Welt aufzubauen: Amazon. Was macht dessen Erfolg aus? Und was können andere Unternehmen von Amazon lernen? Florian Kolf hat eine Analyse ehemaliger Amazon-Manager ausgewertet.
Es ist vielleicht ein westdeutsches Phänomen, die Simson erst zu kennen, seit AfD-Politiker mit ihr in den Wahlkampf ziehen. Hergestellt werden die Mopeds schon lange nicht mehr. Wer ein Ersatzteil braucht, kommt an MZA nicht vorbei. Jahrelang wuchs das Unternehmen aus Meiningen mit dem Kult. Doch jetzt wird genau der zur Belastungsprobe, beschreibt Annika Keilen.
Die Texte Rudolf Augsteins festigten über viele Jahre das selbst entworfene Bild vom „Sturmgeschütz der Demokratie“. Ein etwas anderes, intimes, widersprüchliches Bild zeichnet eine neue Biografie. Die Autoren konnten erstmals die 1850 Aktenordner im Privatarchiv des Verleger-Journalisten nutzen. Hans-Jürgen Jakobs hat „Augstein. Ein deutsches Leben“ für Sie gelesen.
In meinem Kalender standen für diese Woche 21 Meetings. Wie viele waren es bei Ihnen? Und bei wie vielen wurden Sie wirklich gebraucht? Studien zumindest zeigen, dass deutsche Unternehmen durch Meetings bis zu 80 Milliarden Euro pro Jahr verlieren. Das Handelsblatt ermöglicht Ihnen mit einem neuen Rechner, die Kosten von Meetings zu ermitteln – inklusive einer groben Schätzung ihrer Ineffizienz.
Das Diabetes-Mittel Ozempic und die Abnehmspritze Wegovy haben den dänischen Pharmakonzern Novo Nordisk zeitweilig zum wertvollsten Unternehmen Europas gemacht. Doch dann kam der US-Konkurrent Eli Lilly und zog an den Dänen vorbei. Jetzt schmiedet Novo Nordisk große Zukunftspläne. Weshalb Anleger die jedoch nicht goutieren, weiß Ulf Sommer.
Kolumnist Felix Oldenburg beschreibt Künstliche Intelligenz als ein unterfinanziertes Risiko mit potenziell katastrophalen Auswirkungen. Das Problem aus seiner Sicht: Das Geld, das die KI kontrollieren soll, steckt in den Aktien derer, die sie bauen. Daher schlägt Oldenburg einen anderen Weg für „AI Safety“ vor.
Polen wird als Ziel deutscher Auswanderer immer beliebter. Was genau macht unseren östlichen Nachbarn für sie so attraktiv? Und kann Deutschland sich von Polen etwas abschauen? Nell Rubröder fasst es im Video der Woche zusammen.
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Handelsblatt-Chefredakteur Sebastian Matthes und die Publizistin, Unternehmerin und Professorin Miriam Meckel die wichtigsten Themen aus Wirtschaft, Technologie und Politik. Sie geben freitags ungefiltert Einblick in ihre Woche, markieren Aufreger und Hoffnungsträger und wagen den Ausblick, was kommende Woche wichtig wird. Meckel & Matthes, ein Handelsblatt-Podcast: aktuell, persönlich, meinungsstark.
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Titelbild: Getty Images | Kräuterplantage der Chartreuse-Mönche: Chartreuse Diffusion | Fielmann-Digitalvorstand Stefan Wolk: Fielmann, PR, Handelsblatt [M] | Yoshua Bengio im Gespräch mit Larissa Holzki: MILA / Emilie Mennesson | Filiz Albrecht: Bosch | Jeff Bezos: AFP [M] | Simson: Imago (2), MZA | Rudolf Augstein: picture alliance / dpa [M] | Sanduhr: Phil Ninh | Kolumnist Sommer: Marc-Steffen Unger, Getty Images [M] | Kolumnist Oldenburg: Viktor Strasse, Getty Images [M] | Video der Woche: Canva
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